Phagen können Resistenzen übertragen

19. Januar 2022 15:04

Zürich - Bakterienbefallende Viren werden eingesetzt, um zielgerichtet Infektionen zu bekämpfen. Forschende der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich haben nun jedoch nachgewiesen, dass diese Bakteriophagen auch Resistenzen übertragen können.

Bei Bakteriophagen oder Phagen handelt es sich um Viren, die bestimmte Bakterien angreifen, wie aus einer Medienmitteilung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) hervorgeht. Daher werden sie bereits heute zum Kampf gegen Infektionen eingesetzt, insbesondere wenn die entsprechenden Bakterien Resistenzen gegen Antibiotika aufweisen. In der Schweiz ist das Verfahren noch nicht genehmigt, in Osteuropa werde es aber bereits angewandt, so die ETH. Forschende unter der Leitung von Elena Gómez-​​Sanz, Postdoktorandin in der Gruppe von Martin Loessner, Professor für Lebensmittelmikrobiologie an der ETH, haben nun in einer Studie jedoch nachgewiesen, dass Phagen nicht so gezielt eingesetzt werden können, wie bislang vermutet. Zudem können sie sogar Resistenzen gegen Antibiotika übertragen.

So hat sich bei der Forschung für die in „Nature Communications“ veröffentlichten Studie gezeigt, dass Phagen oft mehrere Bakterien gleichzeitig befallen, also ein grosses Wirtsspektrum aufweisen. Da sie gleichzeitig Resistenzgene von einem Bakterium auf ein anderes übertragen können, „könnten Phagen demnach Resistenzen viel weiter in der Umwelt verbreiten als bisher gedacht”.

Die Forschenden konnten zudem herausfinden, dass sich die Häufigkeit, mit welcher Phagen Resistenzgene übertragen, von Phage zu Phage unterscheidet. Dies liegt unter anderem an den Enzymen, welche von den Phagen zum Verpacken des Erbgutes verwendet werden. „Einige sind ‚fehleranfälliger‘ als andere, packen also eher bakterielle Erbgut-​Teile mit ein“, wird Gómez-​​Sanz zitiert. Während das breite Wirtsspektrum der Phagen also grundsätzlich nützlich für einen breiten Einsatz in der Medizin ist, „sei es wichtig, dass medizinisch genutzte Phagen einen möglichst fehlerfrei funktionierenden Vermehrungsmechanismus besitzen”, so die ETH. jh

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