Neue Methode verbessert Sensorik nach Schlaganfall

10. Januar 2022 15:11

Lausanne - Ein Konsortium von akademischen Fachleuten unter Leitung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne hat gezeigt, dass gezielte neuromuskuläre Elektrostimulation die Sensorik von Patientinnen und Patienten nach einem Schlaganfall verbessert. Die Studie ebnet den Weg für effektivere klinische Rehabilitationsproto­ko­lle.

Der gezielte, intensive Einsatz von neuromuskulärer Elektrostimulation (NMES) in der Rehabilitation von chronischen Schlaganfallpatientinnen und -patienten treibt ihre sensorische Erholung voran. Das hat laut einem Bericht der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) die Studie eines Konsortiums von Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, Klinikern, Neuroingenieurinnen und -ingenieuren unter Leitung des EPFL-Labors für Translational Neural Engineering gezeigt. Ihre Arbeit wurde am 10. Januar im Fachmedium „MED“ veröffentlicht.

Insgesamt 45 chronische Schlaganfallpatienten und -patientinnen hatten laut einem EPFL-Bericht über einen Zeitraum von neun Wochen an 27 Sitzungen mit NMES teilgenommen. Gleichzeitig erhielten sie herkömmliche physiotherapeutische Reha. Die Erkrankten wurden in drei Kontrollgruppen aufgeteilt. Die Forschenden massen die motorischen Leistungen, die sensorischen Fähigkeiten und die Körperwahrnehmung der einzelnen Teilnehmenden während und nach der Studie. Ihre Leistung in allen Teilbereichen verbesserte sich mit teilweiser oder vollständiger NMES früher und deutlicher als bei der Gruppe ohne oder mit weniger NMES.

Eine der grossen Neuerungen dieser Studie habe laut EPFL darin bestanden, dass nicht nur die motorische Erholung, sondern auch die sensorischen Defizite und die Körperrepräsentation untersucht und bewertet werden. „Unser Ansatz hat das Potenzial, neurorehabilitative Interventionen zu erleichtern, die auf mehrere Wahrnehmungsbereiche abzielen, darunter die taktile Schärfe, die wahrgenommene Körpergrösse, verzerrte Empfindungen des Arms und folglich die Wiederherstellung der Nutzung des Arms“, erklärt Erstautor Andrea Crema.

Diese Studie zeige laut Silvestro Micera, Leiter des EPFL-Labors für Translational Neural Engineering, „wie wichtig eine vielschichtige Bewertung der Funktionen nach einem Schlaganfall ist und ebnet den Weg für effektivere klinische Rehabilitationsprotokolle“. mm

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