Klimawandel lässt Bäume früher blühen

11. April 2022 12:29

Birmensdorf ZH - Die Kirschblüte in der Schweiz beginnt heute mehrere Tage früher als vor dem Jahr 1950. Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft haben fünf Zeitreihen zum Blühbeginn weltweit verglichen. Der Effekt des Klimawandels ist eindeutig.

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat die fünf längsten Zeitreihen der Welt von Japan bis Europa zum Frühlingsaustrieb von Bäumen untersucht.

Weil die Temperaturen im Frühling immer wärmer werden, finden auch Blühbeginn und Blattaustrieb von Bäumen früher statt, heisst es im Bericht der WSL-Forschenden. Sie stimmen mit der Beschleunigung der globalen Erwärmung ab den 1950er Jahren überein, die sich in den 1980er Jahren nochmals verstärkte.  

Im Schnitt begann der Blatt- oder Blütenaustrieb zwischen 1985 und 2020 zwischen sechs Tagen in China bis hin zu 30 Tagen in der Schweiz früher als vor 1950. So begann die Kirschblüte in Kyoto im Frühling 2021 so früh wie nie zuvor in den letzten 1200 Jahren. Dabei befinden sich diese fünf Zeitreihen nicht einmal in jenen Weltregionen, wo sich das Klima am stärksten erwärmte. „Dort ist zu erwarten, dass die zeitliche Verschiebung von Ereignissen im Lebenszyklus von Organismen noch extremer ausfällt“, wird Erstautor Yann Vitasse von der Forschungsgruppe Ökosystem-Ökologie der WSL zitiert. 

Die mit Abstand längste Zeitreihe ist jene zur Kirschblüte in Kyoto in Japan ab dem Jahr 812. Die älteste Zeitreihe in Europa geht von 1736 bis 1958 im Südosten von Grossbritannien. In der Schweiz beobachtet der Grand Conseil de la République et Canton de Genève seit 1808 eine Rosskastanie - den „Marronnier de la Treille“ -  und seit 1894 überwachen das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain und MeteoSwiss einen Kirschbaum im Kanton Basel-Landschaft.

Der Bericht der Forschenden der WSL, der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH), der MeteoSwiss sowie Kollegen aus China, Japan und Grossbritannien erscheint im Rahmen einer Spezialausgabe von „Nature Climate Change“. gba

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