Epitheldefekte verursachen Milliarden chronischer Krankheiten

10. Mai 2021 12:05

Zürich - Ob Asthma, Darmentzündungen oder Zöliakie – schadhafte Epithelbarrieren liefern eine Erklärung, warum Autoimmunkrankheiten und Allergien seit Jahrzehnten zunehmen. Der Direktor des Schweizerischen Instituts für Allergie- und Asthmaforschung hat den Wissensstand nun zusammengefasst.

Defekte an den Aussengrenzen des menschlichen Körpers, der Epithelschicht, sind dafür verantwortlich, dass die dahinterliegenden Gewebe nicht ausreichend vor Bakterien, Viren, Allergenen, Umweltgiften und Schadstoffen geschützt werden. Das ist eine plausible Erklärung dafür, dass Autoimmunkrankheiten und Allergien immer mehr zunehmen, heisst es in einer Medienmitteilung der Universität Zürich (UZH).

Der Direktor des mit der UZH assoziierten Schweizerischen Instituts für Allergie- und Asthmaforschung, Professor Cezmi Akdis, hat nun für das Wissenschaftsmagazin „Nature Reviews Immunology“ den aktuellen Wissensstand zusammengefasst. „Der Epithelbarriere-Hypothese zufolge sind Schäden an den schützenden Epithelzellschichten für knapp zwei Milliarden chronische, nicht-infektiöse Krankheiten verantwortlich“, so Akdis. Allein sein Institut habe in den vergangenen 20 Jahren mehr als 60 Publikationen darüber verfasst, wie diverse Substanzen die Epithelien verschiedener Organe schädigen.

Viele Menschen seien heute einer Vielzahl toxischer Stoffe ausgesetzt, darunter Ozon, Nanopartikel, Mikroplastik, Feinstaub und Pestizide. „Neben der globalen Erwärmung und Viruspandemien wie COVID-19 stellen diese schädlichen Substanzen eine der grössten Bedrohungen für die Menschheit dar.“ Lokale Epitheldefekte in Haut und Schleimhaut führten zu allergischen Erkrankungen, Darmentzündungen und Zöliakie. Aber auch Fehlreaktionen des Immunsystems sowie neurodegenerative und psychische Erkrankungen können eine Folge sein. Aus solcherlei Schäden im Darm können Krankheiten wie Diabetes, Rheuma und multiple Sklerose entstehen.

Für neue Ansätze der Prävention sei es „enorm wichtig, die Epithelbarrieren weiter zu erforschen“, erklärt Akdis. Auch die Beeinflussung des Mikriobioms, der Gesamtheit der Bakterien im Darm, durch gezielte Ernährung sei eine der Strategien. Zudem gelte es, weniger toxische Produkte zu entwickeln. mm

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