EPFL stellt Kunststoff direkt aus Abfallbiomasse her

27. Juni 2022 15:07

Lausanne - Forschende der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) haben aus nicht essbaren Pflanzenteilen PET-ähnlichen Kunststoff entwickelt. Das neue Produkt kann unter anderem für die Verpackung von Lebensmitteln verwendet werden.

Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) haben erfolgreich einen aus Biomasse gewonnenen Kunststoff entwickelt. Er erfüllt laut Medienmitteilung die Kriterien für den Ersatz mehrerer aktueller Kunststoffe und ist gleichzeitig umweltfreundlicher. Die Wissenschaftler um Professor Jeremy Luterbacher von der EPFL School of Basic Sciences haben den Kunststoff entwickelt, der ähnlich wie PET ist - zäh, hitzebeständig und eine gute Barriere für Gase wie Sauerstoff. Das mache ihn zu einem vielversprechenden Kandidaten für Lebensmittelverpackungen, heisst es in der Mitteilung.

Aufgrund seiner Struktur kann der neue Kunststoff auch chemisch wiederverwertet werden und in der Umwelt wieder zu harmlosen Zuckern abgebaut werden. PET dagegen verrottet nicht und wird auf der Basis von Erdölprodukten hergestellt.

„Wir ‚kochen‘ im Grunde nur Holz oder anderes nicht essbares Pflanzenmaterial, wie zum Beispiel landwirtschaftliche Abfälle, in kostengünstigen Chemikalien, um den Kunststoffvorläufer in einem Schritt herzustellen“, wird Luterbacher zitiert. „Da die Zuckerstruktur innerhalb der Molekularstruktur des Kunststoffs intakt bleibt, ist die Chemie viel einfacher als bei den derzeitigen Alternativen.“ Eben das erleichtert auch die Entsorgung.

Die Technik basiert auf einer Entdeckung, die Luterbacher und seine Kollegen 2016 veröffentlicht haben, wonach die Zugabe eines Aldehyds bestimmte Fraktionen des Pflanzenmaterials stabilisieren und ihre Zerstörung während der Extraktion verhindern kann. „Mit dieser einfachen Technik sind wir in der Lage, bis zu 25 Prozent des Gewichts von landwirtschaftlichen Abfällen oder 95 Prozent gereinigten Zuckers in Kunststoff umzuwandeln“, wird Lorenz Manker zitiert, der Erstautor der Studie. gba 

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