Digitaler Zwilling der Erde soll bei Klimaschutz helfen

24. Februar 2021 13:00

Zürich - Das EU-Projekt Destination Earth soll ab Mitte des Jahres an einem digitalen Abbild des kompletten Erdsystems arbeiten. Jetzt zeigt ein Strategiepapier von europäischen Klimaforschenden und Informatikfachleuten der ETH, wie das zu bewerkstelligen ist.

Die EU hat das Projekt Destination Earth lanciert. Es startet Mitte des Jahres und ist als Werkzeug zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2050 gedacht. Im Zeitraum von zehn Jahren soll ein digitaler Zwilling der Erde entstehen. Ein hochpräzises digitales Modell des gesamten Erdsystems soll sämtliche Einflüsse auf das Klima und extreme Wetterereignisse zeitlich und räumlich möglichst genau abbilden, so die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH) in einer Medienmitteilung. Jetzt haben europäische Klimaforschende und Informatikfachleute der ETH ein Strategiepapier dazu verfasst. Es ist am Montag in der Fachpublikation „Nature Computational Science“ erschienen.

Für dieses Projekt sei eine „digitale Revolution der Erdsystemwissenschaften“ vonnöten, schreiben sie. Der digitale Zwilling der Erde habe erstmals generalisierende Wetter- und Klimamodellierungen mit kleinräumigen Prozessen zusammenzubringen. Doch um hochauflösende Simulationen zu ermöglichen, bedürfe es einer heute noch unbekannten Computerarchitektur. Dafür seien Hardware und Algorithmen gemeinsam und gleichzeitig zu entwickeln. Das Nationale Hochleistungsrechenzentrum der Schweiz (CSCS) habe in den vergangenen zehn Jahren erfolgreich demonstriert, wie dies geschehen könne. Grosses Potenzial sieht das Autoren-Team auch in der Künstlichen Intelligenz.

Mit dem digitalen Zwilling der Erde soll eine nachhaltige Entwicklung aufgezeigt und die Politik besser informiert werden, heisst es in einer weiteren Anfang Februar erschienenen Diskussionsgrundlage. „Wenn man in Holland beispielsweise einen zwei Meter hohen Deich plant, kann ich die Daten in meinem digitalen Zwilling durchspielen und überprüfen, ob der Deich aller Voraussicht nach auch im Jahr 2050 vor zu erwartenden Extremereignissen schützt“, erklärt Peter Bauer, stellvertretender Direktor für Forschung am Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen und Mitinitiator von Destination Earth, die praktische Anwendbarkeit dieses Projekts. mm

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