Differenzierte Tarife sollen Verkehrsspitzen brechen

30. Juni 2016 12:28

Bern - Unterschiedliche Tarife sollen helfen, die Verkehrsauslastung gleichmässiger zu gestalten und Spitzen zu brechen. Der Bundesrat will die Einführung nutzungsbezogener Abgaben im öffentlichen Verkehr jetzt in Pilotprojekten testen lassen.

Wer zu Spitzenzeiten auf der Strasse oder in Zügen unterwegs ist, könnte in Zukunft stärker zur Kasse gebeten werden. Einer Medienmitteilung des Bundesrats zufolge wollen die meisten Kantone die Möglichkeiten erproben, mittels unterschiedlicher Tarife für unterschiedliche Tageszeiten die Auslastung der Verkehrskapazitäten zu harmonisieren. Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) wurden daher beauftragt, in Zusammenarbeit mit Gemeinden und Kantonen entsprechende Pilotprojekte zu entwickeln. Interesse für deren Durchführung wurde bereits von den Kantonen Genf, Tessin und Zug sowie der Stadt Rapperswil-Jona SG und vom Grossraum Bern angemeldet.

Dabei soll mit den nutzungsbezogenen Abgaben im öffentlichen Verkehr, dem sogenannten Mobility Pricing, die Mobilitätsnachfrage auf Strasse und Schiene gleichmässiger verteilt werden. „Mobility Pricing bezweckt aus Sicht des Bundesrates, die Verkehrsspitzen zu brechen“, sagte UVEK-Vorsteherin Doris Leuthard an einer Pressekonferenz. Das Instrument diene der Lösung von Kapazitätsproblemen und werden nicht zur Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur herangezogen, heisst es in der Mitteilung. Insgesamt wird für deren Nutzung nicht mehr, sondern nur anders verteilt bezahlt werden. Das gesamte Konzept soll auf lange Sicht und in enger Abstimmung mit den betroffenen Akteuren eingeführt werden. Dabei sei es wichtig, die Diskussionen über flexible Arbeitszeitmodelle, home office und angepasste Unterrichtszeiten, aber auch über Fahrgemeinschaften weiterzuführen, so Leuthard. Denn nicht alle Verkehrsteilnehmer seien freiwillig in Spitzenzeiten unterwegs.

Der Wirtschaftsverband swisscleantech begrüsst die Stossrichtung der Vorlage. Sie gehe aber nicht weit genug, heisst es in einer Mitteilung. „Mobility Pricing kann mehr als Verkehrsspitzen glätten“, wird darin Co-Geschäftsführer Christian Zeyer zitiert. Die Zukunft liege in der flächendeckenden Erfassung und Abrechnung des Verkehrs. Swisscleantech schlägt vor, ein solches Konzept mit modernen Elektrofahrzeugen zu testen. hs

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