Blockchain könnte Sozialhilfe vereinfachen

28. April 2021 14:25

Zug - Forschende der Hochschule Luzern und das Sozialamt Zug haben den Einsatz von Blockchain im Sozialbereich untersucht. Demnach könnte die Technologie Abläufe in der Sozialhilfe vereinfachen. Allerdings müssen digitale Fähigkeiten aller Beteiligten gefördert werden.

Forschende der Hochschule Luzern (HSLU) haben gemeinsam mit dem Sozialamt Zug eine neue Einsatzmöglichkeit von Blockchain untersucht. Sie wollten herausfinden, inwiefern die Technologie im Sozialbereich hilfreich sein könnte. Sie kamen zum Schluss, dass Blockchain die Datenverwaltung stark vereinfachen sowie Sozialhilfebezügerinnen und -bezügern die Kontrolle über ihre Daten zurückgeben könnte, heisst es in einer Mitteilung.

Wenn eine Person heute Sozialhilfe bezieht, überträgt sie dem Sozialamt eine Vollmacht über ihre privaten Daten. Das Verfahren wird zwar von Datenschützern kritisiert, allerdings wäre es für das Personal auf den Sozialämtern „zu aufwändig, Klientinnen und Klienten jedes Mal um Erlaubnis zu fragen, bevor sie deren Daten an Dritte weitergeben“, erklärt Marc Zimmermann, Dozent am Departement Soziale Arbeit der HSLU.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde nun ein Konzept eines persönlichen, auf der Blockchain basierenden Falldossiers für das Sozialwesen entwickelt. Sozialhilfebezügerinnen und -bezüger könnten dabei die Informationen im Dossier bei Bedarf punktuell an die zuständige Behörde freigeben, heisst es. Eine Blockchain besteht aus einer dezentralen Datenbank. Parteien, die daran beteiligt sind, erhalten eine verschlüsselte Kopie dieser Datenbank, wobei sie nur Zugriff auf für sie freigegebene Bereiche haben. Wenn jemand versucht, das System zu manipulieren, werden automatisch alle Parteien alarmiert.

Laut Informatikprofessor Tim Weingärtner von der HSLU müssten bedürftige Personen mit so einem System dem Sozialamt keine Vollmachten mehr erteilen, sie könnten sich rascher für soziale Dienstleistungen anmelden, und es bräuchte weniger Amtsgänge, weil sie vertrauliche Daten bei Bedarf selbst freigeben können.

Allerdings seien derzeit weder die Sozialhilfebezügerinnen und -bezüger noch die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter genügend vorbereitet, um solche digitale Technologien zu nutzen. Ausserdem hätten bedürftige Personen oft keinen Zugang zu einem Mobiltelefon oder einen Computer. Die Forschenden empfehlen daher, Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter auf den Sozialämtern zu sogenannten Datencoachs aus- oder weiterzubilden. Sie könnten ihr Fachwissen dann auch an ihre Klientinnen und Klienten vermitteln. ssp

Aktuelles im Firmenwiki