Bevölkerung ist offen für Neugestaltung der Beziehung zur EU

29. September 2022 13:17

St.Gallen/Bern - Die Schweizer sind bereit, ihre bisherigen roten Linien für eine Übereinkunft mit der EU zu überdenken. Dies zeigt das aktuelle Chancenbarometer von Universität St.Gallen und LARIX Foundation. Ihm zufolge hätte ein Abkommen zur Freizügigkeit realistische Chancen beim Stimmvolk.

Die Bevölkerung steht weitergehenden Lösungen zur Neugestaltung des Verhältnisses zwischen Schweiz und EU offener gegenüber als bisher angenommen, schreibt die Universität St.Gallen (HSG) in einer Mitteilung zum am 29. September im Rahmen des Chancentages 2022 in St.Gallen vorgestellten Schweizer Chancenbarometer 2022. Das Barometer wird von der Berner LARIX Foundation. Innovations matters. und der HSG unter Leitung von Tina Freyburg, Professorin für Vergleichende Politikwissenschaft an der HSG, erstellt. 

Ein aktualisiertes Freizügigkeitsabkommen im Einklang mit den Regelungen der EU hätte „realistische Chancen beim Stimmvolk“, heisst es in der Mitteilung. Den Erhebungen der Forschenden zufolge müsste der Schutz vor Arbeitslosigkeit und für arbeitssuchende Personen in einem solchen Abkommen verankert sein. Beim Lohnschutz wären hingegen Kompromisse möglich. „Mit einer klaren Kommunikation der Konsequenzen einer Status-Quo-Politik der Schweiz sind die Stimmbürger:innen bereit, ihre bisherigen roten Linien in einem Abkommen mit der EU zu überdenken“, wird Freyburg in der Mitteilung zitiert. 

Auch in anderen Bereichen zeigt das Chancenbarometer Veränderungspotenzial auf. Als Herausforderungen, bei denen die Bevölkerung grosse Potenziale zur Bewältigung sieht, wurden in der Befragung neben dem Verhältnis zur EU vor allem Klimakrise, Digitalisierung und Finanzierung des Gesundheitswesens genannt. Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie hinsichtlich einer konstruktiven Kommunikationskultur ist hingegen nur eine kleine Minderheit optimistisch. hs

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