Bäume zeigen Hitzeschäden erst Jahre später

17. Januar 2022 14:52

Birmensdorf ZH - Die Bäume in Europas Wäldern haben das Hitzejahr 2018 überraschend gut weggesteckt. Die eigentlichen Schäden wurden erst Jahre später sichtbar, wie jetzt eine Studie unter Beteiligung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft zeigt.

Das Hitzejahr 2018 hat den Bäumen in den Wäldern Europas weniger zugesetzt als die Jahre danach. Das haben Forschende verschiedener europäischer Länder unter Beteiligung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf herausgefunden, heisst es in einer Medienmitteilung

Sie stellten fest, dass Bäume stark durch ihre Vorgeschichte geprägt werden. So können noch lange von einem guten Sommer im Folgejahr zehren und weiterwachsen. Andersherum stecken Bäume kurze Hitzewellen gut weg, zeigen aber Spätfolgen, wenn sie wiederholt und lange damit zu kämpfen hatten.

Über diesen sogenannten Legacy- beziehungsweise Verzögerungseffekt haben die Forschenden jetzt im Fachjournal „Nature Communications“ berichtet. Darin kommen sie zu dem Schluss, dass Bäume als „Frühwarnsysteme für die ökologischen Auswirkungen von Extremereignissen dienen können“, heisst es in der Medienmitteilung. Um mögliche Schäden früher zu erkennen, bauen die Wissenschaftler deshalb europaweit ihr Netzwerk zur Überwachung der Stammumfänge aus. Dies werde dabei helfen, immer besser zu „verstehen, wie Wälder auf die Klimaveränderungen reagieren“.

Für ihre Studie trugen die Wissenschaftler Daten von 21 Baumarten in 53 Wäldern in ganz Europa zusammen. Mit Hilfe von speziellen Geräten dokumentierten die Forschenden die Ausdehnung der Baumstämme im Jahr 2018. Dabei zeigten viele Bäume im Verlauf des Sommers, in dem die Temperaturen um durchschnittlich 1,3 Grad Celsius anstiegen, „rekordhohe Stammschrumpfungen“. Die Bäume konnten also ihre Wasserspeicher nicht genügend auffüllen. Nadelbäume waren hierbei stärker betroffen als Laubbäume.

Die Jahresringe fielen 2018 dennoch kaum schmaler aus als in den Jahren zuvor. Grund: „Als es im Juli heiss und trocken wurde, war an vielen Standorten das Wachstum schon weitgehend abgeschlossen“, heisst es in der Medienmitteilung.

Erst in den Folgejahren wurde der eigentliche Schaden sichtbar, besonders auffällig bei der Fichte. Deren Wachstum nahm in den Jahren nach 2018 weiter ab. Die geschwächten Bäume waren anfällig für Borkenkäfer und viele Fichten starben ab. „Neueste Studien zeigen, dass der Legacy-Effekt die Baumphysiologie und das Wachstum für vier und mehr Jahre beeinflussen kann“, heisst es weiter in der Medienmitteilung. ko

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