Bäume wachsen in den Nachthimmel

22. Juni 2021 12:45

Birmensdorf ZH - Bäume wachsen überwiegend während der Nacht im Dunkeln. Die Erkenntnis eines internationalen Forscherteams unter Leitung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft kann den Blick auf die Auswirkungen des Klimawandels auf Wälder verändern.

Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) haben eine Studie zum unterschiedlichen Wachstum von Bäumen zu verschiedenen Tageszeiten erstellt. Danach findet das Wachstum von Bäumen vor allem im Dunkeln statt. Bei Sonnenlicht werde das Wachstum durch die trockenere Luft gehemmt. Das gilt laut einer Medienmitteilung der WSL selbst bei feuchten Bodenverhältnissen.

Bäume bilden neue Zellen, indem sie die Kohlenhydrate nutzen, welche die Blätter und Nadeln im Rahmen der Photosynthese mit Hilfe des in der Luft vorhandenen Kohlendioxids produzieren, wird in der WSL-Mitteilung erklärt. Begrenzt wird das Wachstum nicht, weil zu wenig Kohlehydrate zur Verfügung stünden, sondern durch zu wenig Wasser im Baum. Die Experten sprechen von der Saugspannung des Wassers im Baum.  

Die Forschenden unter Leitung von Roman Zweifel von der WSL haben in der weltweit ersten umfassenden Studie zum Dickenwachstum von Baumstämmen mit einer stündlichen Datenauflösung Daten analysiert, die bis zu acht Jahre lang an 170 Buchen, Fichten und anderen häufigen Baumarten an 50 Standorten in der ganzen Schweiz aufgezeichnet wurden. Das ergab über 60 Millionen Einzeldaten. An der Studie waren Forschende der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, des Instituts für Angewandte Pflanzenbiologie sowie weiterer Forschungseinrichtungen aus der Schweiz und Europa beteiligt.

„Die grösste Überraschung für uns war, dass die Bäume sogar in mässig trockenen Böden wuchsen, sofern die Luft ausreichend feucht war. Umgekehrt blieb das Wachstum sehr gering, obwohl der Boden feucht, zeitgleich die Luft aber trocken war“, wird Studienleiter Roman Zweifel zitiert. Wird die Luft trockener, verlieren die Bäume vorübergehend mehr Wasser durch Transpiration, als sie über ihre Wurzeln aufnehmen können. Das Stammwasserpotenzial sinke und das Wachstum stoppe, unabhängig von der Verfügbarkeit von Kohlenhydraten, so Zweifel weiter.

Diese Erkenntnis könnte die Sicht auf Auswirkungen des Klimawandels auf Wälder verändern, heisst es in der WSL-Mitteilung. Das treffe insbesondere für langfristige Vorhersagen der Kohlenstoffspeicherung – durch Aufnahme von CO2 aus Luft – unter zunehmend trockeneren Bedingungen zu. gba 

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