Lassen Sie sich durch Mythen über Frauen-Networking zurückhalten?
05 Januar 2026 10:42
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Mythos 1: Netzwerkende Frauen werden als Selbstdarstellerinnen wahrgenommen.
Ein verbreitetes Vorurteil ist, dass Netzwerken als Selbstdarstellung gilt und bei Frauen nicht akzeptiert wird. Meine Forschung mit Kolleginnen und Kollegen an der Universität Groningen zeichnet jedoch ein anderes Bild. Führungskräfte, die sich aktiv im Networking engagieren, werden im Kontrast zu solchen, die dies nicht tun, als effektiver wahrgenommen. Zudem gelten sie als Personen mit mehr positiven Eigenschaften wie etwa Gemeinschaftlichkeit und Kompetenz. Und dabei spielte Geschlecht keine Rolle.
Mythos 2: Networking wirkt bei Frauen nicht authentisch.
Frauen in Führungspositionen befürchten oft, dass aktives Networking sie als unauthentisch oder bloss ehrgeizig darstellen könnte. Unsere Studien haben aber gezeigt, dass Frauen dabei nicht als weniger authentisch angesehen werden, selbst wenn sie stereotypisches Networking-Verhalten zeigen. Dazu zählt, wenn Projekte übernommen werden, die sie ins Rampenlicht rücken. Wenn Networking generell bei Männern oder Frauen authentisch und aufrichtig erscheint sowie als passend zur Persönlichkeit angesehen wird, trauen die anderen ihnen auch eher zu, Führungsrollen übernehmen zu können.
Mythos 3: Frauen, die networking betreiben, werden von anderen weniger gemocht als Männer, die dasselbe tun.
Das sogenannte agentische Networking wird üblicherweise mit Männern in Verbindung gebracht. Gemeint ist damit, wenn jemand auffällige Arbeitsaufträge übernimmt, in Komitees mitwirkt, die intern starke Beachtung finden, oder sich jemand an Initiativen beteiligt, die etwa durch Partnerschaften die Aussenwahrnehmung betreffen. Weibliche Führungskräfte könnten eher zögerlich sein, sich auf diese Weise in den Vordergrund zu rücken. Dahinter verbirgt sich zuweilen die Angst vor Missbilligung. Auch diesem Mythos widersprechen unsere Forschungsergebnisse: Frauen werden erstens genauso effektiv wie netzwerkende Männer wahrgenommen. Zweitens gelten sie sogar als sympathischer und angenehmer im Umgang.
Haupt-Erkenntnisse
Frauen in Führungspositionen werden nicht negativer beurteilt als Männer, wenn sie agentische oder männliche Strategien im Networking einsetzen. Dies ist ein wichtiger Punkt, denn dieses Verhalten korreliert stark mit Karrierevorteilen wie Beförderungen und höherem Gehalt. Seien Sie jedoch vorsichtig und nutzen Sie Netzwerkstrategien, die Ihrer Komfortzone entsprechen, und vermeiden Sie solche, die Ihnen unaufrichtig erscheinen. Ganz unabhängig vom Geschlecht: Networking sollte immer authentisch sein und deshalb zu Ihnen als Person passen.
Jennifer Jordan ist Sozialpsychologin und Professorin für Leadership und Organisationsverhalten am Institute for Management Development (IMD). Ihre Lehre, Forschung und Beratung konzentrieren sich auf die Bereiche digitale Führung, Ethik, Einfluss und Macht. Sie ist am IMD Programmleiterin des „Women on Boards“- und des „Leadership Essentials“-Programms sowie Co-Leiterin des Programms „Leading Digital Execution“.
Dieser Text ist zuerst über IMD-Kanäle erschienen.