Industriechemikalien schädigen Klima und Ozonschicht

17 April 2026 13:21

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Dübendorf ZH - Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt hat nachgewiesen, dass aus Kühlschränken längst verbannte Chemikalien von der Industrie in bisher unterschätztem Umfang weiterverwendet werden. Diese Stoffe sind nicht nur ozonabbauend, sondern stark klimaschädlich.

(CONNECT) Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) haben in einer von ihnen geleiteten internationalen Studie anhand globaler Messungen gezeigt, dass sich die Ozonschicht sieben Jahre später vollständig erholen wird, als bisher angenommen. Wie die Empa in einer Mitteilung zusammenfasst, sind dafür sogenannte Feedstock-Chemikalien wie Tetrachlorkohlenstoff oder bestimmte Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) verantwortlich. Deren Verwendung in Alltagsprodukten wie Kühlschränken und Schaumstoffen war in der Folge des in den 1980er Jahren ausgehandelten und später verschärften Montrealer Protokolls weltweit verboten worden, weil sie die Ozonschicht schädigen.

Doch dienen diese Feedstock-Chemikalien in industriellen Prozessen weiterhin als Ausgangsstoffe für moderne Kältemittel und Kunststoffe. Die Studie weist jetzt aber nach, dass die produzierten Mengen und Leckraten deutlich unterschätzt wurden, und damit auch die Folgen: Nicht nur die seinerzeit von der Industrie prognostizierten 0,5 Prozent der produzierten Menge entweicht in die Atmosphäre, sondern jeweils 3 bis 4 Prozent. Für den besonders ozonschädlichen Tetrachlorkohlenstoff liegen die Emissionsraten sogar über 4 Prozent. Diese neuen Erkenntnisse stützen sich auf globale atmosphärische Messungen aus internationalen Netzwerken wie dem Advanced Global Atmospheric Gases Experiment, zu denen auch die Empa Messstation auf dem Jungfraujoch gehört.

Ausserdem nahm die Verwendung dieser Chemikalien nicht wie vorausgesagt ab, sondern zu, nämlich um 160 Prozent seit dem Jahr 2000. Dafür verantwortlich ist ein stark wachsender Einsatz in der Polymerindustrie, etwa für die Herstellung von Fluorpolymeren wie Teflon oder Polyvinylidenfluorid, ein wichtiges Material in Lithium Ionen Batterien von Elektroautos. „Diese Stoffe sind nicht nur ozonabbauend, sondern auch stark klimaschädlich“, wird Stefan Reimann, Atmosphärenforscher an der Empa und Hauptautor der Studie, zitiert.

Bleiben die Emissionen auf dem heutigen Niveau, würde sich die stratosphärische Ozonschicht erst um das Jahr 2073 vollständig erholen. Die Unsicherheitsspanne dieser Abschätzung reicht den Forschenden zufolge von sechs bis elf Jahren. „Das Montreal Protokoll war erfolgreich, weil Wissenschaft, Politik und Industrie eng zusammengearbeitet haben“, resümiert Reimann. „Eine solche Zusammenarbeit ist auch heute wieder entscheidend, um neue Herausforderungen anzugehen.“ ce/mm

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