Empa entwickelt sensiblen Bohrer für Hörimplantate

29. November 2022 10:59

Dübendorf ZH - Eine Forscherin der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) hat einen Spezialbohrer entwickelt, den ein Roboter zum Einsetzen eines Implantats in die Hörschnecke fräst. Der Bohrer schaltet ab, wenn er gefährlich nahe an Gesichts- oder Geschmacksnerv operiert.

Kerstin Thorwarth von der Empa-Abteilung Surface Science & Coating Technologies hat den Chirurginnen und Chirurgen am ARTORG Center for Biomedical Engineering Research der Universität Bern entscheidend weitergeholfen: Laut einer Mitteilung der Empa entwickelte die Materialforscherin mit einer Kollegin im Rahmen einer Masterarbeit und eines Innosuisse-Projekts für die Cochlea-Chirurgie einen Spezialbohrer mit leitfähiger Spitze.

Dieser mitfühlende Bohrer kommt in einem vom ARTORG Center entwickelten Roboter zum Einsatz. Dieser bohrt einen 1,8 Millimeter schmalen Kanal vom Aussenohr bis zur Hörschnecke, der Cochlea. In die Cochlea werden Hörimplantate eingesetzt, die ankommende Schallwellen in digitale Signale umwandeln. Damit kann Hörgeschädigten in vielen Fällen geholfen werden.

Das Risiko des Eingriffs besteht jedoch darin, dass der Kanal nur jeweils 0,5 Millimeter entfernt von Gesichts- und Geschmacksnerv zwischen den beiden hindurchführt. Bisher stoppen Medizinerinnen und Mediziner beim Eingriff im Zweifel den Bohrer und reizen den Gesichtsnerv mit einer elektrischen Spitze. Fällt die Zuckung im Gesicht der Patientin oder des Patienten nicht zu stark aus, darf vorsichtig weitergebohrt werden. Das übernimmt jetzt dieser sensible Bohrer selbst und schaltet sich gegebenenfalls automatisch ab.

„Der Smart-Drill für die Cochlea-Chirurgie könnte zum Beispiel auch für die Wirbelsäulenchirurgie eingesetzt werden“, so Projektleiter Stefan Weber. Nun sucht das Forscherteam der Empa gemeinsam mit den Fachleuten des ARTORG Center nach Industrie- und Finanzierungspartnern. mm

Aktuelles im Firmenwiki