Hochschule Luzern nutzt Bremsenergie zum Seilbahn-Antrieb

28. Mai 2021 12:58

Luzern/Biel BE - Die Hochschule Luzern hat ein neuartiges Energiesystem für Seilbahnen entwickelt. Durch die Nutzung der Bremsenergie von abwärtsfahrenden Gondeln und eine Photovoltaikanlage werden Energiekosten um 30 Prozent gesenkt.

Die Standseilbahn zwischen Biel und Magglingen BE auf einer Juraanhöhe wird dank der Forschungsergebnisse der Hochschule Luzern mit einem innovativen Energiemanagement betrieben. Das nutzt laut Medienmitteilung die Bremsenergie der ins Tal fahrenden Gondel aus, speichert sie und verwendet sie zum Antrieb der aufwärtsfahrenden Gondel. Die über diese Energierückgewinnung hinaus notwendige Antriebskraft wird aus einer Photovoltaikanlage gewonnen.

Erfunden hat das System ein Forschungsteam des Departements Technik & Architektur der Hochschule Luzern. „Dank PV-Anlage und Bremsenergie kann die Standseilbahn mehr als 30 Prozent ihres gesamten Energiebedarfs selber decken“, wird Projektleiter Olivier Duvanel zitiert. Das Konzept von Biel-Magglingen sei auf andere Stand- und Luftseilbahnen übertragbar.

Eine Standseilbahn von der Stadt Biel auf die Juraanhöhe bei Magglingen gibt es seit 1887. Die Bahn befördert laut Medienmitteilung nicht nur Ausflügler, sondern ist Teil des öffentlichen Verkehrs mit einem dichten Fahrplan. Die Bahn wurde 2019 grundlegend überholt und hat seit kurzem auf dem Dach der Bergstation eine grosse Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 42 Kilowatt. Die Forschenden um Duvanel haben ein komplettes neuartigen Energiesystem entwickelt, das sich in den letzten Monaten im Alltagsbetrieb bewährt hat, wie es heisst.

Zur technischen Erläuterung heisst es in der Mitteilung der Hochschule Luzern, die Standseilbahn habe zwei Waggons für jeweils 120 Fahrgäste, die durch ein Zugseil verbunden sind. Fahre der eine Waggon in der Talstation los, brauche er Antriebsenergie, um Höhe zu gewinnen. Habe er gut die Hälfte der 1700 Meter langen Strecke zurückgelegt, brauche er keinen Antrieb mehr, weil er durch die talwärtsfahrende Bahn und das zugehörige Zugseil nach oben gezogen werde. Der abwärtsfahrende Waggon müsse sogar abgebremst werden. Dabei entstehe Energie, die in einer Batterie gespeichert werde. Sie werde dann für den Antrieb der nächsten Bergfahrt und Aggregate wie Pumpen, Lüfter und Heizung genutzt. Die Batterie diene zudem als Zwischenspeicher für den Solarstrom.

Die Einsparung fällt ins Gewicht, stellt die Hochschule Luzern fest. Strom mache die Hälfte der Betriebskosten aus. Bei der Pilotanlage in Biel geht man von einer Amortisierung der Investitionskosten innerhalb von 15 Jahren aus. Bei künftigen kommerziellen Anlagen seien Amortisationszeiten von zehn Jahren realistisch. gba 

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