Zu viel Digitalisierung macht Arbeitende unzufrieden

07. Oktober 2020 15:01

Luzern/Zürich - Der neue Schweizer HR-Barometer befasst sich mit zwei Entwicklungen: Digitalisierung und Alterung der Gesellschaft. Je höher der Digitalisierungsgrad des Unternehmens ist, desto geringer ist die Arbeitszufriedenheit.

Der alle zwei Jahre erstellte Schweizer HR-Barometer (Human-Relations-Barometer) verknüpft in diesem Jahr zwei wesentliche Entwicklungen: Digitalisierung und Alterung unserer Gesellschaft. Bei der Befragung von rund 2000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ergab sich beim Thema Alterung, dass rund 40 Prozent laut Medienmitteilung der Universität Luzern durchaus bereit wären, auch über den Zeitpunkt ihres Renteneintritts hinaus weiter zu arbeiten. Allerdings leiden viele von ihnen im regulären Arbeitsleben schon unter Vorurteilen gegenüber älteren Beschäftigten in den Unternehmen. Die scheinen laut dem HR-Barometer in der Schweiz weit verbreitet. „Hier besteht erheblicher Handlungsbedarf für Arbeitgebende, aber auch für Führungspersonen sowie Arbeitskolleginnen und -kollegen“, wird Studienleiterin Gudela Grote zitiert.

Bei den Fragen nach der Digitalisierung ergab sich als Fazit laut dem Barometer: Je höher der Digitalisierungsgrad des Unternehmens, desto geringer ist die Arbeitszufriedenheit. 74 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Firma gewillt ist, digitale Lösungen zu nutzen. Die Eigenverantwortung der Beschäftigten spielt dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Insgesamt 66 Prozent der Befragten sagen, dass sie durch ihre Vorgesetzten „voll und ganz“ oder doch zumindest „eher“ zu selbständigen Entscheidungen ermächtigt werden. Andererseits wird auch von elektronischer Überwachung berichtet. 20 Prozent der Befragten sehen sich dadurch in ihrer Privatsphäre eingeschränkt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich Beschäftigte mit ihrem Unternehmen weniger stark verbunden fühlen, wenn elektronische Überwachung zu oft eingesetzt wird.

Rund 75 Prozent der Befragten bevorzugen eine klare Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben. Bei älteren Beschäftigten ist der Wunsch nach Abgrenzung noch ausgeprägter. Gleichzeitig geben aber rund 60 Prozent an, dass sich in der Praxis Arbeit und Privates vermischen

Die Studie wird von Gudela Grote, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH), und von Bruno Staffelbach, Leiter des Center für Human Resource Management an der Universität Luzern, in Kooperation mit der Universität Zürich regelmässig herausgegeben. gba

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