Der neue Containerhafen Vado Gateway im ligurischen Savona ist Teil der Seidenstrasse. Er gehört zu 50,1 Prozent der dänischen APM Terminals und zu 49,9 Prozent zwei chinesischen Unternehmen, der Cosco Shipping Ports und Qingdao Port International. Bild: APM Terminals.

Seidenstrasse behindert Wettbewerb weltweit

17. Januar 2020 13:20

Peking - Europäische Unternehmen erhalten kaum Aufträge beim chinesischen Projekt der neuen Seidenstrasse, zeigt eine Umfrage der EU-Handelskammer in China. Chinesische Staatsunternehmen nutzen die Seidenstrasse zunehmend, um ihre Wettbewerber aus Drittmärkten zu verdrängen.

China will mit dem Projekt der neuen Seidenstrasse die Infrastruktur seines eigenen Landes mit derjenigen im Rest von Asien, in Europa und in Afrika verbinden. Laut der offiziellen chinesischen Darstellung dient die 2013 lancierte Initiative der friedlichen Entwicklung und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und ist offen für alle Partner. Sie sei kein „chinesischer Klub“.

Die Europäische Handelskammer in China und ihre Mitglieder haben andere Erfahrungen gemacht. Wie die Handelskammer in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie schreibt, werden europäische Unternehmen durch eine Vielzahl von Hindernissen von einer Teilnahme ausgeschlossen. Von 132 befragten Unternehmen haben nur 15 Prozent an einer Ausschreibung für ein Seidenstrassen-Projekt teilgenommen. Nur ein Dutzend hat kleinere Aufträge erhalten. Die meisten von ihnen erhielten diese Aufträge von Geschäftspartnern oder regionalen Regierungen in China, um namentlich auf Drittmärkten technologische Kompetenzen oder sonstige Erfahrungen einzubringen, welche chinesische Unternehmen noch nicht aufweisen. 

Aufträge im Rahmen der Seidenstrassen-Initiative gehen nach den Erfahrungen europäischer Unternehmen in erster Linie an chinesische Staatsunternehmen. Diese könnten namentlich auf Drittmärkten europäische Unternehmen verdrängen, weil sie dank ihrer starken Stellung in China bessere Finanzierungen und niedrigere Preise anbieten können. 

Damit exportiert China die Benachteiligungen, denen sich europäische Unternehmen bisher auf dem chinesischen Binnenmarkt ausgesetzt sehen, zunehmend in Drittländer und selbst nach Europa. Insbesondere in der Informatik könnten chinesische Unternehmen damit eine dauerhafte Monopolstellung erreichen, da sie ganze Infrastrukturen gemäss chinesischen Standards bauten, zu denen europäische Unternehmen nur sehr eingeschränkt Zugang haben.

„Europa muss entscheiden, wie es auf diesen Export des chinesischen Modells reagiert, um sich selbst vor Marktverzerrungen zu schützen und in Drittmärkten wettbewerbsfähig zu bleiben“, wird Jörg Wuttke, Präsident der Handelskammer, in einer Mitteilung seiner Organisation zur Studie zitiert. stk

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