Flugverbote gelten als inakzeptabel

07. Oktober 2020 09:50

St.Gallen/Winterthur - Flugverbote und Einschränkungen der Mobilitätsmöglichkeiten werden von der Schweizer Bevölkerung grossmehrheitlich als unwahrscheinlich und nicht akzeptabel eingestuft. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie der Universität St.Gallen und des Aviation Research Center Switzerland.

Nur eine Minderheit der Schweizerinnen und Schweizer befürwortet Flugverbote oder andere Einschränkungen der Mobilität. Dies gehört zu einer Reihe „unerwarteter Aussagen und Meinungen“, die eine repräsentative Studie des Center for Aviation Competence (CFAC-HSG) der Universität St.Gallen und des in Winterthur ansässigen Aviation Research Center Switzerland laut einer Medienmitteilung zutage gefördert hat. 

Darin untersuchten beide Institutionen unter dem Titel Civil Aviation 2040 – A Perspective by Swiss Society, welche Erwartungen die Schweizer Bevölkerung bis ins Jahr 2040 an die zivile Luftfahrt hat. Befragt wurden 3000 Personen im Alter von 16 bis 69 Jahren. Mehr als 80 Prozent von ihnen erwarten ein weiteres Wachstum des Flugreisemarktes. Ihre Präferenz liegt bei Direktverbindungen auf Langstrecken – und das, obwohl der eigene Reisebedarf sowohl heute als auch im Jahr 2040 mit dem bestehenden Infrastruktur- und Destinationsportfolio ausreichend abgedeckt wäre. „In der Langzeitbetrachtung von 20 Jahren wird die derzeitige Corona-Baisse aller Voraussicht nach kurz- bis mittelfristig wirken und vorübergehend sein“, wird einer der beiden Studienautoren zitiert, Andreas Wittmer vom CFAC-HSG.

Gleichzeitig glaube „erstaunlicherweise“ die Mehrheit der Befragten nicht, dass Flugverbindungen für das Wirtschaftswachstum und den Wohlstand der Schweiz eine wesentliche Rolle spielen. „Dieses Ergebnis ist besonders interessant, da 65 Prozent der gesamten Schweizer Güterproduktion exportiert und 35 Prozent des Exportwertes auf dem Luftweg versandt werden", analysiert der zweite Studienautor René Puls, ebenfalls vom CFAC-HSG.

Die unterschiedlichen Meinungen über Flugverbindungen und die Zivilluftfahrt variieren stark nach Alter, Region, Bildung und politischen Überzeugungen. Einig sind sich die Befragten hinsichtlich der Sinnhaftigkeit und Wahrscheinlichkeit einer Kompensation für den CO2-Fussabdruck. „Es ist diesbezüglich jedoch interessant zu erkennen, dass zusätzliche Reisekosten das Reiseverhalten der Befragten sehr wahrscheinlich nicht beeinflussen“, so Wittmer.

Dies bedeute auch, dass die Auswirkungen einer Erhöhung bestehender oder der Erhebung neuer Passiergebühren von Fluggesellschaften und Regierungen überbewertet werden. Bestätigt sehen sich die Autoren in dieser Bewertung von Passagiergebühren, die in Deutschland schon vor einigen Jahren eingeführt wurden. Sie hatten „keinen wirklichen Einfluss auf die Flugreisennachfrage“. mm

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