Forscher zeichnen Karte der Krebsgenome neu

07. Februar 2020 09:53

Zürich - Im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts haben Wissenschaftler die bisher umfassendste Untersuchung zu genetischen Ursachen von Krebs abgeschlossen. Beteiligt waren auch Forscher der ETH Zürich und des Universitätsspitals Zürich. Sie griffen dabei auf eine eigens entwickelte IT-Infrastruktur zurück.

Über 1300 Wissenschaftler aus 37 Ländern und über 70 Forschungsinstitutionen haben sich im Rahmen des Pan-​Cancer Analysis of Whole Genomes Project (kurz: Pan-​Cancer-Projekt) zusammengeschlossen. Ziel war es, die genetischen Ursachen für Krebs genauer zu erforschen. Während sich frühere Studien auf etwa 1 Prozent des Genoms konzentrierten, wurden im Pan-​Cancer-Projekt die restlichen 99 Prozent des Genoms detailliert untersucht.

„Im Prinzip haben wir die verschiedenen Puzzleteile zu einem vollständigeren Gesamtbild zusammengesetzt. Nun können wir das Krebsgenom fast vollständig lesen“, sagt Gunnar Rätsch, Professor für Biomedizininformatik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) und am Universitätsspital Zürich. Beide Institutionen waren laut einer ETH-Mitteilung am internationalen Projekt beteiligt.

Die Ergebnisse der internationalen Forschungszusammenarbeit sind nun in 23 wissenschaftlichen Artikeln im renommierten Magazin „Nature“ und zugehörigen Titeln erschienen. Insgesamt tragen sie laut einer Medienmitteilung des Ontario Institute for Cancer Research zum grundlegenden Verständnis von Krebs bei und könnten neue Wege für Diagnose und Behandlung zeigen.

Forscher in Zürich haben sich laut der ETH vor allem auf die Auswirkung von veränderten RNS-​Erbinformation auf die Entstehung von Krebs fokussiert. Insgesamt stellten sie dabei sieben Kategorien von krebsrelevanten RNS-​​Veränderungen fest. „So ausführlich konnte man bisher noch nie nachweisen, dass RNS-​​Veränderungen eine so grosse Rolle bei der Entwicklung von Krebs spielen. Das ist neu“, so Rätsch.  

Ein Kernfaktor zum Erfolg war die IT-​Infrastruktur der ETH namens Leonhard Med. Diese hat Rätsch vor einigen Jahren gemeinsam mit seinem Team aufgebaut. „Der Speicher-​​ und Rechnercluster ist extra so gebaut, dass auf ihm Muster in sehr grossen, medizinischen Datenmengen erkannt, respektive berechnet werden können“, heisst es. Ohne diese IT-​Infrastruktur hätte sich die ETH laut Rätsch nicht am Forschungsprojekt beteiligen können. ssp

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