Speicherseen können mehrfach genutzt werden

Der Stausee Lago Bianco am Berninapass ist ein beliebtes Wanderziel. Bild: kuhnmi via Flickr

Speicherseen dienen in erster Linie zur Energieerzeugung und Energiespeicherung. Wie Leonie Jossen, heute Fachspezialistin für Energieversorgung und Monitoring beim Bundesamt für Energie (BFE), in einer Masterarbeit für das Geographische Institut der Universität Zürich zeigt, können sie auch für den Hochwasserschutz, die hydrologische Regulierung, die Versorgung mit Trink-, Bewässerungs- und Kühlwasser wie auch touristisch genutzt werden. Sie haben auch eine Schutzfunktion, etwa wenn Wasser bei Starkniederschlägen zurückgehalten soll. Damit bieten sich für die Betreiber der Wasserkraftwerke neue Einkommensmöglichkeiten.

Erste Erfahrungen wurden bereits im Kanton Wallis gemacht. So setzt die Region Siders-Crans-Montana das Projekt Lienne-Raspille um, an dem zehn Gemeinden und drei regionale Energieunternehmen beteiligt sind. Das Wasser wird hier sowohl für die Stromproduktion – etwa für die lokale Industrie in Siders wie die energieintensive Aluminiumindustrie – als auch für die Landwirtschaft sowie den Tourismus in Crans-Montana benötigt. Im Rahmen des Projekts werden die Einzugsgebiete verschiedener Bäche durch neue Wasserleitungen miteinander verbunden und in Überschusszeiten im Stausee Lac de Tseuzier gespeichert. Die Stauseebetreiberin, an der die Stadt Sitten, die BKW und die IWB beteiligt sind, wird für die Zwischenspeicherung ebenso entschädigt wie für die Nutzung von Wasser des Stausees in Zeiten des Wassermangels. Drei neue Kleinkraftwerke finanzieren das Projekt. 

Allerdings sind der Mehrfachnutzung laut Leoni Jossen Grenzen gesetzt. So erhöht die Entfernung zu den möglichen Nutzern die Kosten und schränkt die Verwendungsmöglichkeiten ein. Die Autorin empfiehlt aber, bei anstehenden Erneuerungen der Konzessionen für die Speicherseen eine Mehrfachnutzung zu berücksichtigen. Namentlich der Klimawandel aber dürfte vermehrt zu Trockenperioden und zeitweisen Wasserengpässen führen und damit den Bedarf für Mehrzweckspeicher steigern.

Heute stammt rund 60 Prozent der Schweizer Stromproduktion aus der Wasserkraft. Die Speicherkraftwerke liefern 35 Prozent, die Laufkraftwerke 25 Prozent. stk