Die Gebäude der Zukunft sind intelligent

Der Grosspeterturm in Basel wurde von Solvatec mit Solarfassaden verkleidet und hat 2017 den Schweizer Solarpreis erhalten. Bild: Schweizer Solarpreis 2017

Die Gebäudetechnik ist ein Zukunftsmarkt. Das hat der Sessionsanlass „Gebäudetechnik der Zukunft: Hightech bis unters Dach“ von swisscleantech am Mittwoch deutlich gemacht. „Das Thema Gebäude ist hochaktuell“, sagte swisscleantech-Präsident Matthias Bölke zum Auftakt. „Es gibt Riesenumbrüche am Markt“, fügte der Vizepräsident Strategie, Business Excellence und Public Affairs von Schneider Electric in den deutschsprachigen Ländern hinzu. Er verwies auf die kürzliche Übernahme der Deutschen Energieversorgung GmbH, einem global tätigen Hersteller von Speicherlösungen, durch den süddeutschen Energieversorger EnBW hin.

Gebäudetechnik kann etwa dazu beitragen, eine der grossen Herausforderungen der Energiewende zu lösen: die Speicherung von Sommerenergie für den energieärmeren Winter. „Ein zeitgemässes Gebäude muss emissionsfrei betrieben werden“, sagte Marc Bätschmann, Geschäftsführer der BS2 AG in Schlieren ZH. „Die Frage ist, wo die Energie am kältesten Tag des Jahres herkommt.“ Die vom ETH-Professor Hansjürg Leibundgut 2004 gegründete BS2 bietet dafür hocheffiziente Wärmepumpensysteme. Diese speisen im Sommer Sonnenwärme in den Untergrund und holen sie im Winter heraus – und das gern auch im Verbund mehrerer Gebäude. Das rechne sich für Investoren, wenn sie die Lebenszykluskosten im Blick haben, so Bätschmann.

Doch auch im Winter scheint die Sonne und ihre Energie lässt sich ernten. Dafür eignen sich gerade auch Photovoltaikfassaden. „Der Jahresertrag von Photovoltaikfassaden ist ausgeglichener als der von Dachlösungen“, sagte Dominik Müller, Gründer und Technikchef der inzwischen zur Fenaco gehörenden Solvatec. „Der Ertrag an einem sonnigen Tag im Winter ist gleich gross wie der an einem sonnigen Tag im Sommer.“ Müller kann bereits auf zahlreiche Beispiele verweisen, in denen Fassadenlösungen von Solvatec funktionieren. So ist der Grosspeterturm in Basel mit Solarfassaden ausgestattet. Diese seien in ihrer Herstellung sogar günstiger als normale Glaslösungen gewesen, so Müller. Allerdings sei die Komplexität der Realisierung dieser Fassaden noch hoch. Sie werde aber durch zunehmende Standardisierung verringert.

Die Energieversorgung ist das eine, die effiziente Dämmung das andere. Nicht überall aber können dicke herkömmliche Dämmungen angebracht werden, so nicht bei denkmalgeschützten Gebäuden oder an sehr teuren Lagen. Die Eidgenössische Materialforschungs- und Prüfungsanstalt (Empa) arbeitet daher an einem aerogelbasierten Dämmmaterial, das hervorragend dämmt, wenig Platz braucht und nicht brennbar ist. Ein mit Aerogel gefüllter Ziegelstein von 165 Millimetern Breite dämme so gut wie luftgefüllte Ziegelsteine mit einer Breite von 1240 Millimetern, erläuterte die Empa-Forscherin Ana Stojanovic. Noch sei die Lösung teuer. Aber: „Wir rechnen mit einer Halbierung der Preise für das Granulat in den nächsten Jahren.“ Stojanovic und ihre Forscherkollegen haben mit nexAERO bereits ein Unternehmen zur Kommerzialisierung der Aerogel-Lösung gegründet.

Die Energie im Gebäude muss allerdings auch verteilt werden – und soll dann eingesetzt werden, wenn genug zur Verfügung steht. Dazu braucht es intelligente Messsysteme. Das Jungunternehmen smart-me in Rotkreuz ZG hat „den weltweit ersten Stromzähler mit Verbindung zur Cloud“ entwickelt, wie Gründer und Chef David Eberli sagte. Der intelligente Stromzähler misst die Stromflüsse, visualisiert sie, rechnet mit den Verbrauchern ab und steuert den Energieverbrauch. Die Kunden haben über eine App Zugriff auf das System. Dieses ist darauf ausgelegt, dass auch andere Lösungen angeschlossen werden können. „Wir wollen ein offenes System“, sagt Eberli. „Dafür bieten wir Schnittstellen für andere Systeme und Plattformen.“ Aus seiner Sicht haben solche Systeme eine grosse Zukunft für sich. „Der Markt ist erst am Anfang.“

Doch es geht nicht nur um Energie, wie Dieter von Arx aufzeigte. Dank des Internets der Dinge können ganz verschiedene Anwendungen integriert werden, digitale Lebensbegleiter inklusive, wie der Leiter des iHomeLabs der Hochschule Luzern demonstrierte. stk