Pandemien stellen Stadtplaner vor Probleme

23. März 2020 09:37

Chicago - COVID-19 könnte Einfluss darauf haben, wie sich Städte organisieren. Dabei spielen die Besiedlungsdichte, die Dezentralisierung der wesentlichen Dienste und eine digitale Umgestaltung des Gesundheitssystems eine wichtige Rolle.

COVID-19 ist Teil einer langen Liste von Infektionskrankheiten, die sich auf den städtischen Raum auswirken könnten. Das Virus stellt eine fundamentale Herausforderung an die Art und Weise dar, wie wir mit der Urbanisierung umgehen. Darauf weist Professor Michele Acuto in einem Interview des Connected Cities Lab hin. Acuto ist Direktor dieser Forschungseinrichtung an der Universität Melbourne und lehrt dort globale Stadtpolitik.

Laut Acuto ist das Überdenken der Verdichtung ein Schlüssel für das langfristige Überleben in einer pandemischen Welt. Ein Ende der Verdichtung hat aber auch Schattenseiten: „Würde eine Stadt nicht verdichtet, sondern ausgedehnt, müsste der öffentliche Verkehr besser vernetzt werden.“

Auch die Frage einer Dezentralisierung wesentlicher Dienstleistungen stehe im Raum. So musste etwa Singapur während des SARS-Ausbruchs 2003 seine wichtigsten Krankenhäuser schliessen. Zahlreiche Länder wie Italien würden nun einen flächendeckenden Test auf COVID-19 erwägen. Doch das werfe in Millionenstädten Machbarkeitsprobleme auf. „Deshalb müssen wir auch die Art und Weise überdenken, in der wir testen und eindämmen, vielleicht auf digitale Weise“, so Acuto.

Ebenso wichtig werde die Zusammenführung urbaner Daten aus verschiedenen Quellen. Acuto führt als Beispiel den Informationsaggregator des Center for Systems Science and Engineering (CSSE) der Johns Hopkins-Universität in Baltimore an. Der Aggregator wertet weltweit erhobene Coronavirus-Daten wie etwa jene der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des britischen National Health Service (NHS) aus.

„Eine Sache, über die ich kaum etwas gehört habe, ist die digitale Antwort hierauf“, erklärt Acuto, kurz bevor nach der Gegend um Mailand ganz Italien zum Sperrgebiet („rote Zone“) erklärt wurde. „Die Menschen treffen täglich Entscheidungen auf der Grundlage der gesamten digitalen Infrastruktur. Ich stamme aus einer Gegend in Italien, die nur eine Stunde von der ,roten Zone' entfernt ist. Familie und Freunde treffen dort viele Entscheidungen mithilfe von Informationen aus der digitalen Welt.“ Das führe ihn zu dem Schluss, dass die digitale Infrastruktur das Gesundheitswesen unserer Zeit sein könnte. em

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