Leben in den Alpen reagiert zu langsam auf Klimawandel

11. Mai 2021 10:06

Birmensdorf ZH - Die Pflanzen und Tiere in den Alpen passen sich an die fortschreitende Klimaerwärmung an. In vielen Fällen erfolgt das aber zu langsam für ein sicheres Weiterbestehen. Das haben Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft herausgefunden.

Die in den Alpen lebenden Pflanzen und Tiere passen sich der Erwärmung ihres Lebensraumes an. Aber das geht oft zu langsam. Das hat laut Medienmitteilung eine von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und der nationalen französischen Forschungsorganisation CNRS geleitete Übersichtsstudie aufgezeigt, in die auch zahlreiche Resultate aus der Laienforschung eingeflossen sind. Diese Studie ist im Fachjournal „Biological Reviews“ publiziert worden.

Yann Vitasse, Spezialist für Waldökologie an der WSL, hat dafür als Teil eines internationalen Teams von Biologen die Daten von mehr als 2000 Arten – Tiere, Pflanzen und Pilze – ausgewertet, die in den Alpen und den angrenzenden Regionen leben. Seit 1970 hat sich das Klima in den Schweizer Alpen um rund 1,8 Grad erwärmt. Viele Arten wandern deshalb in kühlere, höher gelegene Regionen aus. Bei den meisten Arten aber geht das zu langsam, um mit den klimatischen Veränderungen mithalten zu können.

Auch Bäume und Sträucher können in höhere Lagen ausweichen und schaffen bis zu etwa 33 Höhenmeter pro Jahrzehnt. Bei anderen Gruppen wie Vögeln, Farnen oder holzzersetzenden Pilzen wurde mit weniger als 15 Höhenmeter pro Jahrzehnt ein viel langsamerer Aufwärtstrend festgestellt. Amphibien und Libellen bleiben, wo sie sind, weil sie an wasserreiche Standorte gebunden sind. Den meisten Arten würde es nicht gelingen, „die erforderlichen 60 bis 70 Höhenmeter pro Jahrzehnt zurückzulegen, die sie überwinden müssten, um unter den ihnen angestammten klimatischen Bedingungen weiterleben zu können“, wird Vitasse zitiert.

In den Alpen wird es immer wärmer und der Frühling beginnt immer früher. Pflanzen, Reptilien, Zugvögel und an Land lebende Insekten wie Schmetterlinge oder Heuschrecken haben darauf reagiert, indem sie ihre Aktivitäten im Frühjahr um durchschnittlich zwei bis acht Tage vorverlegten – pro Jahrzehnt, wie es in dem Bericht heisst. So beginnt das Blühen der Pflanzen entsprechend früher.

Vitasse verweist auf ein weiteres Problem. Es gibt in der Reaktion der verschiedenen Lebensarten starke Unterschiede. Wenn das Verhalten aber nicht mehr zeitlich abgestimmt ist, dann könnte das „für den langfristigen Fortbestand der Arten als Teil eines Ökosystems bedrohlich“ sein. gba 

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