Zug schlägt Umbau des Steuersystems vor

07. Juni 2021 13:16

Zug - Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler will die von den G7 vereinbarte weltweite Mindeststeuer für multinationale Konzerne von 15 Prozent abfedern. Dafür bringt er Subventionen, Entlastungen für Mitarbeitende sowie die Reduktion von Umweltabgaben und Lohnnebenkosten ins Spiel.

Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler reagiert in einem Interview mit dem „Tages-Anzeiger“ gelassen auf die Nachricht, dass sich die G7-Staaten am Sonntag auf eine Mindeststeuer von 15 Prozent für global agierende Konzerne geeinigt haben. Unter dem Dach der Industriestaaten-Organisation OECD streben knapp 140 Länder, darunter auch die USA, eine Steuerreform mit zwei Säulen an – einer globalen Mindeststeuer und eine neue Form der Besteuerung von digitalen Dienstleistungen. US-Präsident Joe Biden fordert für eine Mindeststeuer von 21 Prozent.

Zug hat mit 11,91 Prozent die tiefste Gewinnsteuer der Schweiz. Doch versetze die G7-Einigung die Zuger Firmen nicht in Hysterie, so Tännler. Sie könnten sich nach wie vor auf Rechtssicherheit verlassen. Um die betroffenen Unternehmen „effektiv wieder auf 12, 13 Prozent zu bringen“, denke er an Kompensationszahlungen: „Die Möglichkeiten reichen von Subventionen für Forschung und Entwicklung über Patentboxen und Steuerentlastungen für Mitarbeiter bis hin zu einer Reduktion der Umweltabgaben und Lohnnebenkosten.“ Das sei eine Diskussion, die zwischen Bund und Kantonen geführt werden müsse.

Man könne sich auch überlegen, ob man ein neues Konzernsteuerrecht einführt. Es gebe dann zwei verschiedene Steuerrechte, eines für nicht-internationale Firmen, das auf dem Obligationenrecht basiert, und ein anderes für die internationalen. Als Schlupflöcher will er mögliche Kompensationen nicht bezeichnen. Diese müssten „international akzeptiert sein. Sonst geht das nicht.“ Auch eine Sonderbehandlung für Grosskonzerne sieht er nicht. Regionale Firmen dürften weiterhin mit 12 Prozent besteuert werden. „Der Gipser oder Metzger hätte also sicher keine Mühe damit.“

Tännler rechnet damit, dass sowohl die G20-Finanzminister und Zentralbankpräsidenten bei ihrem Treffen im Juli als auch der amerikanische Kongress einer weltweiten Harmonisierung der Mindeststeuer für Grosskonzerne zustimmen werden. „Wir sind", sagt er, „gut beraten, nicht zu opponieren und zu kooperieren.“ mm

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