Zürcher Forschende finden Traumata-Folgen im Blut

16. Oktober 2020 14:27

Zürich - Hirnforschende der Universität Zürich haben im Blut einen Zusammenhang zwischen in der Kindheit erlebten Traumata und späteren Krankheiten nachgewiesen. Sie konnten sogar belegen, dass die Stressbotschaften im Blut über mehrere Generationen weitergegeben werden.

Eine Studie des Instituts für Hirnforschung an der Universität Zürich zeigt, das frühe Traumata den Stoffwechsel beeinflussen. Laut einer Medienmitteilung bestätigt die Studie die Hypothese der Forschenden: In der Kindheit erlebte Traumata verändern die Zusammensetzung des Blutes lebenslang. Zudem werden diese Stressbotschaften im Blut über mehrere Generationen hinweg an die Nachkommen vererbt – nicht über DNA-Sequenzen, sondern über biologische Faktoren, die die DNA regulieren (Epigenetik). 

„Dieses Resultat ist für die Medizin von hoher Relevanz, weil es erstmals frühe Traumata mit Stoffwechselkrankheiten bei Nachkommen in Verbindung bringt“, wird Neuroepigenetik-Professorin Isabelle Mansuy vom Hirnforschungsinstitut der Universität Zürich und dem Institut für Neurowissenschaften der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich in der Mitteilung zitiert.

Besonders auffällig waren demzufolge Veränderungen im Fettstoffwechsel traumatisierter männlicher Mäuse. Die gleichen Auffälligkeiten zeigten sich auch bei ihren männlichen Nachkommen. Wurde das Blut von traumatisierten Tieren in nicht traumatisierte Männchen injiziert, entwickelten auch deren Nachkommen dieselben Traumasymptome – „ein eindrücklicher Beweis dafür, dass das Blut Stressbotschaften an die Keimzellen weiterleitet“, heisst es in der Mitteilung.

Der Vergleich mit traumatisierten Kindern lieferte dasselbe Ergebnis. In Pakistan wurden in einem SOS-Kinderdorf 25 Kinder untersucht, deren Vater gestorben war und die getrennt von der Mutter lebten. In weiteren Experimenten wiesen die Forschenden nach, dass dabei ein bestimmter Rezeptor des Fettstoffwechsels Signale an die Keimzellen weitergibt.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein Trauma im frühen Leben nicht nur die psychische, sondern auch die körperliche Gesundheit im Erwachsenenalter generationenübergreifend beeinflusst, zum Beispiel den Fettstoffwechsel und den Zuckerhaushalt“, fasst Mansuy zusammen. „Dies wird in der Klinik nur selten berücksichtigt.“ Eine bessere Kenntnis der biologischen Prozesse dahinter könnte deshalb in Zukunft dabei helfen, die späten Folgen von Traumata durch medizinische Vorsorge zu verhindern. mm 

Aktuelles im Firmenwiki