Walliser Lachgas belastet Schweizer Klimabilanz

10. Februar 2020 10:49

Visp VS - Die Lonza AG stösst bei der Produktion von Vitaminen in Visp 600‘000 Tonnen CO2-Äquivalente mehr aus als bisher angenommen. Diese belasten nun rückwirkend bis 1990 die Schweizer Klimabilanz. Die Schweiz muss daher ausländische CO2-Zertifikate einkaufen.

Der Schweizer CO2-Ausstoss ist jährlich 600‘000 Tonnen höher als angenommen. Das entspricht rund 1 Prozent des gesamten CO2-Ausstosses. Wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und Lonza mitteilen, hat Lonza bei Kontrollmessungen im Frühjahr 2018 Lachgas an seinem Standort Visp festgestellt. Das Treibhausgas, das rund 300 Mal klimaschädlicher als CO2 ist, wird dort bei der Produktion des Vitamins Niacin freigesetzt. 

Die Produktionsanlage von Lonza ist zwar seit 1971 in Betrieb. Weil aber der Ausstoss von Lachgas nicht in der Luftreinhalte-Verordnung geregelt ist, wurde die Anlage bis dahin auch nicht danach untersucht. 

Lonza will nun laut seiner Mitteilung 12 Millionen Franken investieren, um bis spätestens Ende 2021 einen Katalysator in Betrieb zu nehmen. Dieser soll den Ausstoss von Lachgas um mindestens 98 Prozent senken. Das entsprechende Baugesuch wurde Ende November 2019 eingereicht und Ende Januar vom Kanton Wallis und der Gemeinde Visp genehmigt.

Damit wird das Ziel, den Schweizer CO2-Ausstoss von 1990 bis 2020 um 20 Prozent zu senken, kaum noch zu erreichen sein. Denn die zusätzlichen 600‘000 Tonnen müssen rückwirkend bis 1990 ausgewiesen werden, während der Ausgangspunkt von 1990 nicht mehr rückwirkend nach oben angepasst werden kann. Zudem erhöht sich der zu verringernde CO2-Ausstoss nun um 600‘000 Tonnen.

Der Bund hat deshalb die Stiftung Klimarappen beauftragt, ausländische Zertifikate im Umfang von 5 Millionen Tonnen CO2 zu kaufen. Derzeit beträgt der Preis für ein CO2-Zertifikat gut 23 Euro. stk

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