Studie empfiehlt alpine Wind- und Solarenergie

28. Mai 2021 12:07

Lausanne/Davos - Mit Windkraft aus Jura, Alpen und Voralpen sowie mit Solaranlagen in schneereichen Hochlagen könnte die Schweiz am effektivsten energieneutral und importunabhängig werden. Das zeigt eine Fallstudie der EPFL und des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung.

Forschende der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) und des Davoser Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) haben aufgezeigt, was an welchen Standorten zu tun wäre, um in der Schweiz auf effizienteste Weise CO2-Neutralität und Energieunabhängigkeit zu erreichen. Sie schlagen vor, die vorhandene Wasserkraft mit 75 Prozent alpinen Wind- und 25 Prozent Solaranlagen in schneereichen Regionen zu ergänzen. Das bestehende Stromnetz, in das vor allem Wasserkraft eingespeist wird, könnte genutzt werden, um diese Energie ins Flachland zu bringen.

„Wir wissen, dass ein solches Szenario provokant wirkt“, so Jérôme Dujardin, Erstautor der Studie und Doktorand in Umweltwissenschaften und Umwelttechnik an der EPFL, in einer gleichlautenden Medienmitteilung von EPFL und SLF. „Wir wollten jedoch unseren Ansatz konsequent zu Ende denken, um den effizientesten Weg aufzuzeigen, auch wenn er radikal erscheint, wohl wissend, dass die Politik einen Mittelweg wählen wird.“

Die vom EPFL-Labor für Kryosphärenforschung (CRYOS) entwickelte Methode berücksichtigt schweiztypische Daten über Topographie, Mikroklima, Wasserenergie und den Energieaustausch mit den Nachbarländern. Zwischen neuen Windkraftanlagen und Wohnhäusern sieht sie je einen Mindestabstand von 500 Metern vor. Insgesamt 40 Prozent der neuen Windkraftanlagen sehen sie im Jura vor, den Rest in den Alpen und Voralpen. Für Solarmodule wurden Gletscher, steile Hänge, Wälder, der Nationalpark und nordwärtsgerichtete Hänge gemieden. Auch die für 2025 geplante Konfiguration des gesamten Stromnetzes floss in die Berechnungen mit ein. 

„Im Sommer verfügt die Schweiz über reichlich Wasserkraft, die zu dieser Jahreszeit eher nutzlos ist, vor allem, wenn die Photovoltaikanlagen auf den Dächern weiter zunehmen“, so Mitautor und Leiter des CRYOS-Labors, Michael Lehning. „Unsere Studie zeigt, dass die Installation von alpinen Solarmodulen besser mit Wasserkraft einhergeht und unsere Abhängigkeit von Energie aus den Nachbarländern im Winter um bis zu 80 Prozent reduziert werden kann.“

Die Studie wurde soeben in der Fachzeitschrift „Research Letters" veröffentlicht. mm

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