Städte der Zukunft könnten mit Algen gebaut werden

06. Juli 2022 14:49

Boulder - Die Zementproduktion ist für 7 Prozent der weltweiten Emissionen von Treibhausgasen verantwortlich. Dank einer Entdeckung von Wissenschaftlern der Universität von Colorado in Boulder könnte der Bau von Gebäuden jedoch kohlenstoffneutral werden. Dabei werden Mikroalgen verwendet, um Kohlendioxid aus der Luft zu ziehen.

Zur Herstellung der gängigsten Zementart - Portlandzement - wird Kalkstein in Steinbrüchen abgebaut und bei hohen Temperaturen verbrannt, wobei grosse Mengen Kohlendioxid freigesetzt werden. Nun hat ein Forscherteam unter der Leitung der University of Colorado Boulder (CU Boulder) herausgefunden, dass der Ersatz von Kalkstein aus Steinbrüchen durch Kalkstein aus biologischem Anbau eine kohlenstoffneutrale Methode zur Herstellung von Zement darstellt, heisst es in einer Mitteilung.

Biologisch gewachsener Kalkstein entsteht durch einen natürlichen Prozess, den einige Arten von kalkhaltigen Mikroalgen durch Photosynthese vollziehen, ähnlich wie in Korallenriffen. Wenn alle zementbasierten Bauwerke auf der ganzen Welt durch biogenen Kalksteinzement ersetzt würden, könnten nach Schätzungen des Teams jedes Jahr etwa 2 Gigatonnen Kohlendioxid eingespart werden.

„Wir sehen eine Welt, in der die Verwendung von Beton, wie wir ihn kennen, ein Mechanismus zur Heilung des Planeten wird“, wird Wil Srubar zitiert, leitender Forscher des Projekts und ausserordentlicher Professor für Bau-, Umwelt- und Architekturingenieurwesen an der CU Boulder. „Wir haben heute die Werkzeuge und die Technologie, um dies zu tun.“

Die Mikroalgen können in warmen, kalten, salzigen und frischen Gewässern leben und lassen sich daher fast überall anbauen. Nach Schätzungen des Teams wären nur 1 bis 2 Millionen Hektar offene Teiche erforderlich, um den Zementbedarf der USA zu decken. Der Kalkstein ist bereits in begrenzten Mengen verfügbar, und verschiedene Unternehmen haben Interesse an dem Produkt gezeigt. Minus Materials, Inc. ist ein 2021 gegründetes Start-up-Unternehmen der CU, das die Forschung in den kommerziellen Bereich bringen will. em

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