Schwerelosigkeit erleichtert Gewebezüchtung

13. Juli 2020 13:35

Zürich - Unter Schwerelosigkeit lässt sich menschliches Gewebe einfacher züchten als in herkömmlichen Laboren. Dies haben Forschende der Universität Zürich nachgewiesen. Sie hatten dazu Proben auf die Raumstation ISS geschickt.

Auf der Erde muss heranwachsendes menschliches Gewebe im Labor mit einem winzigen Gerüst gestützt werden, erläutert die Universität Zürich (UZH) in einer Mitteilung. Ihr Forscher und Leiter des UZH Space Hub, Oliver Ullrich, forscht gemeinsam mit seiner Kollegin vom Institut für Anatomie der UZH, Cora Thiel, an den Auswirkungen der Schwerkraft auf die Entwicklung und Funktion von Zellen.

Dabei sei Ullrich bereits nach ersten Experimenten in einer Bodensimulationsstudie überzeugt gewesen, dass sich menschliches Gewebe unter Schwerelosigkeit ohne stützende Matrix züchten lasse, heisst es in der Mitteilung weiter. In Zusammenarbeit mit Airbus hatten die Forscher daher präparierte Proben von Stammzellen in entsprechenden Wachstumscocktails auf die internationale Raumstation ISS geschickt. „Wir lieferten die Biotechnologie, Airbus die Hardware, und die Projektkosten wurden geteilt“, erläutert Ullrich.

Als die am 6. März auf die Reise geschickten Proben gut einen Monat später wieder auf der Erde landeten, war das Gewebe aller 250 Proben deutlich gewachsen. Die zwischenzeitlich wegen der Pandemie in den USA tiefgefrorenen Proben sollen nach ihrer Rückkehr nach Zürich weiter untersucht werden.

Sollte sich das Verfahren als erfolgreich erweisen, könnte die Züchtung von Zellen für menschliche Implantate einfacher und eventuell auch kostengünstiger werden, meinen die Forscher. Sie wollen hierfür eine Ausgründung einrichten und das Projekt zum Geschäftsmodell ausbauen. Vorerst müssten es auch „gar keine Transplantate sein“, meint Ullrich. „Gewebeproben dienen auch dazu, Medikamente zu testen, und da ist der Markt heute gross.“ hs

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