Schweizer Forscher entwickeln neues Rechenmodell für Energiestrategien

08. Juli 2019 12:52

Lausanne - Die Entwicklung von Energiestrategien ist mit Unsicherheiten etwa bei der Prognose künftiger Preise verbunden. Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne haben ein Modell entworfen, das die Bandbreite möglicher Szenarien einkalkuliert.

Wie können Unsicherheitsfaktoren mitbedacht werden, wenn Politikerinnen und Politiker Energiepolitik planen – zumal für sehr lange Zeiträume? Mit solchen Fragen haben sich nun Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) beschäftigt. „Statt zu sagen, dass der Preis von Erdgas 3 Cents pro Kilowattstunde betragen wird, können wir einen Spielraum zwischen 1,5 und 5 Prozent berücksichtigen, je nachdem, wie sich der Markt entwickelt“, wird Studienautor Stefano Moret in einer Mitteilung der EPFL zitiert. Die Erkenntnisse seines Teams, die jetzt im European Journal of Operation Research veröffentlicht worden sind, hätten gezeigt, „dass Strategien, die vorwiegend auf erneuerbaren Energien setzen, nicht notwendigerweise teurer sind als jene, die von fossilen Brennstoffen abhängen“. 

So hätten sich etwa die Niederlande vertan, als sie massiv in gasbetriebene Kraftwerke investierten und von einem niedrigbleibenden Gaspreis ausgingen, so Moret weiter. „Weil ihre Prognosen falsch waren, wurden viele dieser Kraftwerke geschlossen, bevor sie ihren Betrieb aufnahmen.“ Auch in anderen Ländern seien die Forscher auf zahlreiche Fehleinschätzungen gestossen, die nicht selten um 200 bis 300 Prozent von den tatsächlichen Werten abgewichen seien, etwa in den USA und auch dort bezüglich des Preises für Erdgas.

Das EPFL-Modell sei eine mathematische Darstellung eines Energiesystems mit über 100 verschiedenen Input-Parametern. „Das Problem bei den Modellen, die Regierungen derzeit verwenden, ist, dass sie extrem kompliziert sind und nicht mit Spannbreiten arbeiten können. Ausserdem sind sie meist nicht als Open-Source-Anwendungen verfügbar und deshalb nur wenigen zugänglich." mm

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