Schweiz gehört weiterhin zu den grössten Steueroasen

19. Februar 2020 10:00

Bern - Die Schweiz ist laut einer neuen Rangliste die drittgrösste Steueroase weltweit. Damit konnte sie sich zwar leicht verbessern, hat aber weiterhin sehr viel Aufholbedarf. Laut Alliance Sud ist es vor allem für Reiche aus dem globalen Süden weiterhin einfach, Geld in der Schweiz zu verstecken.

Den neuen Berechnungen des Tax Justice Network (TJN) zufolge belegt die Schweiz weltweit den dritten Platz in der Rangliste für Schattenfinanzplätze. Im vorigen Ranking war sie noch auf dem ersten Platz. Überholt wurde sie nun von den Kaimaninseln (Platz 1) und den USA (Platz 2).

Laut der Denkfabrik Alliance Sud hat der Schweizer Finanzplatz das Risiko, als Offshore-Hafen für Steuerflüchtlinge aus aller Welt zu fungieren, gegenüber 2018 um 12 Prozent reduziert. Diese Verbesserung hänge in erster Linie damit zusammen, dass die Schweiz nun bereits mit mehr als 100 Ländern den automati­schen Informationsaustausch von Bankkundendaten (AIA) eingeführt hat.

Allerdings tauscht die Schweiz mit den meisten armen Ländern weiterhin keine Informationen zu Bankkundendaten aus. So könnten vermögende Privatpersonen aus armen Ländern im globalen Süden ihr Geld weiterhin praktisch risikofrei vor den Steuerbehörden ihrer Herkunftsländer verstecken.

Laut der Schweizerischen Bankiervereinigung verwalten Schweizer Finanzinstitute weiterhin rund einen Viertel der globalen grenzüberschreitenden Vermögen, schreibt Alliance Sud. Damit sei die Schweiz nach wie vor der grösste – wenn auch nicht mehr undurchsichtigste – Offshore-Finanzplatz der Welt.

Alliance Sud fordert, dass die Schweiz armen Ländern im globalen Süden helfen soll, die OECD-Reporting-Standards zu erfüllen. Damit könnten auch diese Ländern dem AIA-Netzwerk beitreten. Ausserdem müsse die Schweiz „ein öffentliches Register für wirtschaftlich Berechtigte einführen, das Aufschluss darüber gibt, wem Offshore-Firmen in der Schweiz tatsächlich gehören“. Nicht zuletzt müsse sie die bereits mit Dutzenden Staaten ausgetauschten länderbezogenen Berichte multinationaler Konzerne öffentlich machen. ssp

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