Schweiz braucht Entwicklungsmodelle für alpinen Raum

09. Juli 2020 11:11

Zürich/Lausanne - Der Schlüssel für die künftige Entwicklung der gebirgigen Landeshälfte liegt in den grossen Haupttälern, argumentiert Raumplanungsexperte Daniel Müller-Jentsch in einer Publikation von Avenir Suisse. Seine Studie zeigt Strategien dafür auf.

In der neuen Avenir Suisse-Studie „Zentrumstäler – Die Haupttäler als Entwicklungsachsen des Berggebietes“ entwirft Daniel Müller-Jentsch einen strategischen Handlungsrahmen für entlegene Talschaften und Bergregionen der Schweiz. Er soll die Attraktivität der Haupttäler als Lebens- und Wirtschaftsraum stärken und damit ihre Zentrumsfunktionen für das gebirgige Hinterland unterstützen. Gedanklich setzt er beim Rhonetal, dem Alpenrheintal, der Gotthardachse und bei Graubünden an. 

Diese Zentrumstäler verfügen je über die Bevölkerung und Wirtschaftskraft einer grossen Stadt. Doch mache sie ihre geringere Bevölkerungsdichte und ein fehlender städtischer Kern häufig zu schwächeren Zentren. Dies hemme die Kooperationsbereitschaft der beteiligten Gemeinden und führe häufig zu kleinräumigen Rivalitäten.

Daher empfiehlt der Raumplanungsfachmann Müller-Jentsch, dass das Berggebiet nicht den Anschluss an die Zentren des Mittellandes sucht. Stattdessen solle es sich auf seine eigenen Zentren besinnen, sie in ihren Kernfunktionen stärken und weiterentwickeln. Zudem sollten die Zentrumstäler im Standortwettbewerb ihre besonderen Qualitäten gegenüber den Städten des Mittellandes herausstellen.

Als mögliche Massnahmen nennt der Studienautor etwa die Erprobung axialer Verkehrsverbünde und die Ausweisung gemeindeübergreifender Gewerbegebiete. Zudem könnten Angebote für die Berufsbildung vernetzt und städtebauliche Wettbewerbe für „Zersiedlungs-Hotspots“ entlang der Talböden ausgeschrieben werden. Jährliche Talkonferenzen würden die gemeinsame Ausrichtung stärken. Auch eine Öffnung der Agglomerationsprogramme des Bundes für die besonderen Bedürfnisse der Zentrumstäler wäre hilfreich.

Bei alldem gehe es darum, Synergien zwischen Haupt- und Seitentälern besser zu erschliessen und dem hochalpinen Siedlungsraum eine neue Perspektive zu eröffnen. mm

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