Säuregehalt der Luft macht Grippeviren rasch unschädlich

23. Dezember 2022 14:00

Zürich/Lausanne - Schweizer Forschende haben einen bisher übersehenen Akteur bei der Inaktivierung von Viren untersucht: den Säuregehalt der Umgebungsluft. Durchschnittlich saure Luft in Innenräumen macht Grippeviren in Aerosolen nach etwa drei Minuten unschädlich, Coronaviren jedoch erst nach Tagen.

Grippeviren in Aerosolpartikeln bleiben in der Umgebungsluft von Innenräumen nur etwa drei Minuten lang infektiös, Coronaviren hingegen für Tage. Das zeigt die Studie eines Teams aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Eidgenössischen Technischen Hochschulen Zürich (ETH) und Lausanne (EPFL) und der Universität Zürich (UZH). Es hatte einen bisher unerforschten Faktor für die Inaktivierung von Viren untersucht: die chemische Zusammensetzung und insbesondere den Säuregehalt der ausgeatmeten Aerosolpartikel in Wechselwirkung mit der Raumluft. Ihre Studie wurde soeben im Fachmagazin „Environmental Science & Technology“ veröffentlicht.

Demnach sind 99 Prozent der Influenza A-Viren in gut gelüfteten Räumen bei sauren Bedingungen von pH 4 schon nach drei Minuten nicht mehr infektiös. Diese kurze Zeitspanne habe die Forschenden überrascht, heisst es in einem zusammenfassenden Bericht der UZH. Auch die Bedrohung durch SARS-CoV-2 reduziert sich durch ausreichendes Lüften. Doch werden Coronaviren erst bei einem pH-Wert unter 2 inaktiviert. Solche Werte werden in typischen Innenräumen nie erreicht.

In klimatisierten Räumen wie Museen, Bibliotheken oder Krankenhäusern können Luftfilter zu einer Verringerung flüchtiger Säuren führen. Würde man diese anreichern, könnte das die Ansäuerung der Aerosole beschleunigen und damit die Lebensdauer von Viren verkürzen. Doch sind laut UZH unerwünschte Auswirkungen säurehaltigerer Luft etwa auf Kunstwerke, Bücher oder verbaute Materialien noch zu wenig erforscht.

Bisher haben die Forschenden die Wechselwirkungen zwischen in Aerosolen eingeschlossenen Viren und der Raumluft nur in Modell-Simulationen untersucht. Für weitergehende Studien werden an der EPFL jetzt experimentelle Techniken erarbeitet. mm

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