OECD rechnet mit weniger Wachstum für die Schweiz

04. November 2019 15:38

Paris - Die Schweizer Wirtschaft wird künftig weniger rasch wachsen als in den vergangenen Jahren, erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Sie schlägt ein höheres Rentenalter, niedrigere Einkommenssteuern und mehr Wettbewerb vor.

Das Schweizer Wachstum wird 2020 vor allem durch die steigenden Löhne und den gesunden Arbeitsmarkt gestützt. Davon geht die OECD in ihrem Bericht zur Schweizer Wirtschaftspolitik aus. Ohne internationale Sportveranstaltungen liegt das Wachstum nahe am Trend und damit niedriger als in den Jahren zuvor.

Die OECD kritisiert namentlich das Schweizer Rentensystem. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen hätten sich dem demografischen Wandel nicht angepasst. Entsprechend steigen die öffentlichen Ausgaben für das Gesundheitswesen. Die wahrscheinliche Dauer des Ruhestandes gehöre in der Schweiz zu einer der längsten in der westlichen Welt. Nur Luxemburger, Japaner und Franzosen könnten mit einer längeren Rentendauer rechnen. Die OECD schlägt daher vor, in einem ersten Schritt das Rentenalter der Frauen auf 65 zu erhöhen, dann das der Männer und Frauen auf 67 anzuheben und schliesslich das Renteneintrittsalter zu flexibilisieren. Die OECD empfiehlt in diesem Zusammenhang auch die Senkung der Einkommenssteuern, die durch höhere Verbrauchssteuern finanziert werden sollte.

Im digitalen Wandel ist die Schweiz aus der Sicht der Pariser Denkfabrik der Industriestaaten nur Mittelmass. Die Schweizerinnen und Schweizer blieben in ihren digitalen Fähigkeiten hinter denen der Spitzenreiter etwa in Skandinavien zurück. Schweizer Unternehmen setzten digitale Technologien zögerlicher ein als ihre Wettbewerber anderswo. Dazu trügen auch Hindernisse für den Markteintritt von neuen Unternehmern bei. „Die Handelsbeschränkungen für Dienstleistungen sind weiterhin erheblich“, heisst es in der Zusammenfassung des Berichts. Die OECD empfiehlt mehr Wettbewerb. 

Auch im Umgang mit dem Klimawandel ist die Schweiz alles andere als vorbildlich. Ihre Neuwagenflotte stosse 14 Prozent mehr CO2 aus als diejenige der EU. Die OECD empfiehlt eine Automobilsteuer, mit der die Käufer emissionsstarker Fahrzeuge zur Kasse gebeten und die Käufer emissionsarmer Fahrzeuge belohnt werden. Der Schweizer Finanzsektor ist Klimarisiken ausgesetzt und sollte diese besser offenlegen. stk

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