Landwirtschaft braucht Systemwechsel

14. April 2020 15:41

Frick AG - Die Landwirtschaft braucht einen Systemwechsel, sagt Urs Niggli in einem Interview. Traditionelle Techniken, wie sie der Biolandbau pflegt, sollten mit neuen Technologien verbunden werden. Die Nährstoffkreisläufe sollten geschlossen werden.

 

Die Landwirtschaft steht an einer Zeitenwende, sagt Urs Niggli in einem Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“. Der Druck der Öffentlichkeit auf die traditionellen Akteure der Landwirtschaft habe enorm zugenommen. „Das habe ich in diesem Ausmass noch nie erlebt“, sagt der scheidende Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) in Frick. Dabei hätten die Bauern immer nur gesagt, was Forschung und Politik von ihnen verlangt hätten. Das Ergebnis: „Die wesentlichen Probleme bleiben ungelöst: der Verlust an Artenvielfalt, die Überdüngung, der Klimawandel.“

Damit die Welt auch künftig ernährt werden könne, müsste traditionelles Wissen mit Hightech verbunden werden. „Der Biolandbau ist ein alternativer Technologiepfad für unsere Gesellschaft. Biobauern pflegen bewusst Techniken der Landwirtschaft, die auf altem Wissen basieren“, so Niggli. „Das befruchtet die Landwirtschaft.“ Denkbar sei etwa der gleichzeitige Anbau von verschiedenen Kulturen auf einem Feld, das von GPS-gesteuerten Traktoren bewirtschaftet würde. Damit könne auch die Feldgeometrie verändert werden.

Die Menge der Pestizide könne auf ein Viertel verringert werden. Doch das sei nicht genug. „Wir müssen die Nährstoffkreisläufe schliessen.“ Dafür müsse die Zahl der Tiere um 30 bis 40 Prozent verringert werden. „Wir sind ein Grasland. Also setzen wir doch auf Kühe und Schafe und nicht auf die Schweine und Hühner.“

Generell sollte die Politik bei der Ernährung, also bei der Nachfrage ansetzen, statt bei der Agrarpolitik, also der Produktion. „Wenn wir nach der Ernährungspyramide essen würden, wäre das Spiegelbild eine ökologische Landwirtschaft.“ stk

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