Forscher warnen vor Chemikalien in Plastik

23. Juni 2021 12:29

Zürich - Forschende der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich haben eine hohe Anzahl von potenziell gefährlichen Chemikalien in Kunststoffen entdeckt. Sie fordern mehr Transparenz bei der Herstellung von alltäglichen Kunststoffprodukten.

Forschende der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) haben Chemikalien in Kunststoffprodukten wie Verpackungen, Textilien und Spielzeug sowie medizinischen Gegenständen wie Masken untersucht. Dabei haben sie „eine unerwartet hohe Anzahl von potenziell besorgniserregenden Substanzen“ entdeckt, wie aus einer Medienmitteilung hervorgeht. Es handelt sich den Angaben zufolge um Chemikalien, die absichtlich in die Kunststoffe eingebracht werden.

Die Forschergruppe hat insgesamt 10'500 Chemikalien in den Kunststoffprodukten identifiziert. Davon hat sie 2480 Stoffe oder 24 Prozent als potenziell besorgniserregend eingestuft. „Das bedeutet, dass knapp ein Viertel aller Chemikalien in Plastik entweder nicht abbaubar sind, sich in Organismen anreichern oder toxisch sind“, wird Helene Wiesinger, Doktorandin am Lehrstuhl für Ökologisches Systemdesign und Erstautorin der Studie, zitiert. So seien einige der Stoffe krebserregend, könnten bestimmte Zielorgane beschädigen oder seien giftig für Wasserlebewesen.

Bei rund der Hälfte der potenziell gefährlichen Chemikalien handelt es sich um solche, die in der EU oder den USA in grossen Mengen produziert werden, heisst es. „Die unerwartet hohe Anzahl potenziell besorgniserregender Substanzen ist bedenklich“, warnt Zhanyun Wang, Senior Scientist in Stefanie Hellwegs Gruppe.

Die Forschenden kritisieren vor allem die mangelnde Transparenz bei der Herstellung von alltäglichen Kunststoffprodukten. Für ihre Studie haben sie in über zweieinhalb Jahren mehr als 190 öffentlich zugängliche Verzeichnisse und Datenquellen aus Forschung, Industrie und von Behörden durchsucht. Lediglich 60 Verzeichnisse enthielten dabei ausreichende Informationen über Zusätze in Plastik. „Wir fanden mehrere kritische Wissens-​ und Datenlücken, insbesondere bei den Substanzen und ihren Anwendungszwecken. Das erschwert es letztlich Verbrauchern, sichere Kunststoffprodukte zu wählen“, so Wiesinger und Wang. Die beiden Forschenden verfolgen den Angaben zufolge das Ziel einer nachhaltigen Kreislauf-​Kunststoffwirtschaft und sehen „akuten Bedarf für ein griffiges globales Chemikalienmanagement“. ssp

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