Forscher decken Steuerbetrug in der EU auf

07. Januar 2020 14:47

Kiel/München - Der Handel innerhalb der EU wird offensichtlich für Umsatzsteuerbetrug in grossem Stil missbraucht. Darauf weisen deutsche Forscher hin. Sie rechnen mit einem Schaden von bis zu 64 Milliarden Euro für die EU-Staaten.

Die EU weist für das Jahr 2018 einen Handelsüberschuss mit sich selbst in Höhe von 307 Milliarden Euro auf. Das geht laut Forschern des Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW) und des ifo Instituts in München aus der Analyse der Export- und Importstatistiken aller 28 EU-Staaten hervor. Dabei müsste die Handelsbilanz der EU mit sich selbst bei Null liegen. Eine Abweichung in der Grössenordnung von knapp 2 Prozent des Bruttoinlandprodukts lasse sich nicht mehr mit statistischen Ungenauigkeiten erklären, so die Forscher. Über die vergangenen zwölf Jahre addiert sich der interne Handelsüberschuss sogar auf 2,9 Billionen Euro. 

Die Differenz entsteht dadurch, dass die Unternehmen höhere Exporte deklarieren, als die Importstatistiken der einzelnen EU-Staaten ausweisen. Diese Lieferungen haben das Ursprungsland dann wohl nicht verlassen, werden aber von den Unternehmen im Inland nicht versteuert, so die Annahme der Studie.

Die Forscher gehen daher von Umsatzsteuerbetrug in grossem Stil aus. „Steuerhinterziehung ist als eine Ursache des EU-Handelsüberschusses hochwahrscheinlich und kostet den Steuerzahler jedes Jahr Milliarden“, werden die Autoren, IfW-Präsident Gabriel Felbermayr und ifo-Forscher Martin Braml, in einer Mitteilung ihrer Institute zitiert. Sie rechnen für 2018 mit bis zu 64 Milliarden Euro an hinterzogenen Steuern. Besonders ausgeprägt seien die Abweichungen zwischen Export- und Importstatistiken zwischen Nachbarländern mit grösseren Unterschieden in den Mehrwertsteuersätzen. stk

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