Ernst Ulrich von Weizsäcker fordert Effizienzgesellschaft

07. Oktober 2020 13:18

Zürich - Ernst Ulrich von Weizsäcker will die vorherrschende Wegwerfgesellschaft in eine Effizienzgesellschaft überführen. Im Interview zum Forum ö spricht sich der Umweltforscher für eine jährliche Verteuerung von Energie und Rohstoffen aus. Am 28. Oktober wird von Weizsäcker am Forum ö referieren.

Die im globalen Markt zu schwach gewordene Kontrollfunktion des nationalen Rechtsstaates habe zu einer Wegwerfgesellschaft geführt, erläutert Ernst Ulrich von Weizsäcker im Gespräch mit dem Verband für nachhaltiges Wirtschaften (öbu). In dieser Wegwerfgesellschaft würden „Güter zu einem minimalen Preis, dafür mit verheerenden Auswirkungen auf Mensch und Natur produziert“, meint der Umweltforscher und ehemalige Co-Präsident des Club of Rome. Von Weizsäcker sieht es als vorrangige politische Aufgabe, „wieder eine Balance zwischen Recht und Markt“ herzustellen.

Dem die chinesische Regierung beratenden China Council habe von Weizsäcker dabei bereits einen Vorschlag gemacht, schreibt öbu. Der Umweltforscher hatte angeregt, Energie und Primärrohstoffe jährlich im Einklang mit der im Vorjahr erzielten Effizienzsteigerung zu erhöhen. Dies sei „in der Logik identisch mit dem Erfolgsrezept der industriellen Revolution“, bei der einer Steigerung der Arbeitsproduktivität „fast automatisch“ eine Steigerung der Bruttolohnkosten gefolgt sei, meint von Weizsäcker. 

In der derzeit vorherrschenden „Billigdoktrin“ werde der Effizienzgewinn jedoch für die vermehrte Produktion von Wegwerfwaren genutzt. Wegwerfen aber sei „eigentlich eine Wohlstandszerstörung“, argumentiert der Umweltforscher. Am diesjährigen Forum ö vom öbu am 28. Oktober wird von Weizsäcker mit Annabelle Ehmann von der Klimastreik-Bewegung Schweiz über Wege in eine nachhaltigere und zukunftsfähige Wirtschaft diskutieren. hs

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