Erfinderinnen der Genschere erhalten Nobelpreis

07. Oktober 2020 14:33

Stockholm - Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna haben eines der schärfsten Werkzeuge der Gentechnologie entdeckt: eine genetische Schere, mit der sich DNA verändern lässt. Dafür bekommen sie den Nobelpreis für Chemie. Charpentier ist Mitgründerin von CRISPR Therapeutics mit Europasitz in Zug.

Die Französin Emmanuelle Charpentier und die Amerikanerin Jennifer A. Doudna erhalten den diesjährigen Nobelpreis für Chemie. Sie haben eine hochpräzise genetische Schere entdeckt, mit der sich DNA und damit Erbgut verändern lässt. „In diesem genetischen Werkzeug steckt eine enorme Kraft, die uns alle betrifft“, wird Claes Gustafsson, der Vorsitzende des Nobelpreiskomitees für Chemie, in einer Medienmitteilung der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften zitiert. „Es hat nicht nur die Grundlagenwissenschaft revolutioniert, sondern uns auch innovative Nutzpflanzen beschert und wird zu bahnbrechenden neuen medizinischen Behandlungen führen.“

Charpentier entdeckte bei ihren Studien an einem der für den Menschen schädlichsten Bakterien, dem Streptococcus pyogenes, ein bisher unbekanntes Molekül, die tracrRNA. Ihre Arbeit zeigte, dass es Teil des Immunsystems von Bakterien ist, das Viren durch die Spaltung von DNA unschädlich macht. Die Wissenschaftlerin veröffentlichte ihre Entdeckung 2011. Im selben Jahr begann sie die Zusammenarbeit mit der Biochemikerin und RNA-Expertin Jennifer Doudna.

In einem bahnbrechenden Experiment gelang es ihnen zunächst, die genetische Schere der Bakterien in einem Reagenzglas nach- und danach umzubauen. Damit bewiesen die beiden Biochemikerinnen und Genetikerinnen, dass sie gesteuert werden und jedes beliebige DNA-Molekül an einer vorbestimmten Stelle schneiden kann. „Dort, wo die DNA durchtrennt wird, ist es dann leicht, den Code des Lebens neu zu schreiben“, so die Jury. „Diese genetische Schere hat die Biowissenschaften in eine neue Epoche geführt.“

Seither sei der Gebrauch dieser Schere „explodiert“. So waren etwa Pflanzenforscher in der Lage, Nutzpflanzen zu entwickeln, die Schimmel, Schädlingen und Dürre widerstehen. Nun stehe der Traum, Erbkrankheiten heilen zu können, kurz vor seiner Erfüllung.

Charpentier ist Mitgründerin und wissenschaftliche Beraterin von CRISPR Therapeutics mit Europasitz in Zug. Seit 2018 leitet sie die Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene an der Berliner Charité. Als Honorarprofessorin lehrt sie an der Berliner Humboldt Universität. Jennifer A. Doudna ist Professorin an der University of California in Berkeley und Forscherin am Howard Hughes Medical Institute. mm

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