Entsorgungsbranche ist am Limit

11. November 2019 15:08

Bonn - Viele Müllverbrennungsanlagen in Deutschland sind stark ausgelastet. Wie prekär die Situation für Recycling- und Entsorgungsunternehmen ist, zeigt eine Umfrage.

Die derzeitige Entsorgungslage von Abfällen zur energetischen Verwertung ist in Deutschland „nach wie vor besorgniserregend“. So fasst der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse), Eric Rehbock, die Ergebnisse einer Umfrage unter 900 Mitgliedsunternehmen zusammen. 

Fast ein Viertel aller Befragten gab an, dass eine Anlieferung solcher Abfälle derzeit nicht möglich sei. 72,5 Prozent könnten zwar noch anliefern, jedoch mit teils erheblichen Wartezeiten. Nur noch 8 Prozent gaben an, dass sie uneingeschränkt liefern können. Dieser Wert, so der bvse in einer Medienmitteilung, habe sich gegenüber dem in dieser Hinsicht ebenfalls schon problematischen Vorjahr fast halbiert (15,1 Prozent).

Das mache sich auch in den Abfalllagern bei den Unternehmen bemerkbar. Bei 70 Prozent sei genehmigte Lagermenge am Limit. Der bvse führt dafür zwei Ursachen an. Zum einen werde bei weitem zu viel Müll nach Deutschland importiert. Die Situation könne sich weiter verschärfen, weil die Niederlande und Schweden ihre Müllverbrennung demnächst mit Steuern belegen und damit verteuern wollten. 

Zum anderen zeige eine kürzlich veröffentlichte Studie des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) sehr deutlich, dass grosse Mengen Bioabfälle die Kapazitäten der Müllverbrennungsanlagen blockieren. Laut dieser Studie verweigern nach wie vor einige Landkreise die Einführung der Biotonne oder haben kein flächendeckendes Tonnenangebot. Die Folge davon ist, dass Bioabfälle nicht zu Biogas und Kompost umgewandelt werden, sondern in der Müllverbrennung landen. Nach Ansicht des bvse könne es nicht angehen, dass die gewerbliche Wirtschaft die Kosten für Versäumnisse öffentlicher Institutionen schultern müsse.

Zusätzliche Probleme werde die geplante Stilllegung von Kohlekraftwerken mit sich bringen. Dadurch würden „nicht unbeträchtliche Mitverbrennungskapazitäten“ wegfallen. Auch das Verbot der Klärschlammausbringung werde in Zukunft Verbrennungskapazitäten binden. Deshalb müsse die Politik jetzt nachjustieren, etwa im Rahmen der anstehenden Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes. mm

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