Deutsche Konzerne haben Nachholbedarf bei Menschenrechten

04. November 2019 12:13

Winterthur - Keines der grössten deutschen Unternehmen erfüllt alle grundlegenden Erwartungen beim Umgang mit Menschenrechten. Dies stellt eine Studie der ZHAW fest. In Deutschland wird eine Regulierung analog zur Schweizer Konzernverantwortungsinitiative diskutiert.

In der Studie „Achtung der Menschenrechte“ hat die School of Management and Law der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) gemeinsam mit dem Business and Human Rights Resource Center (BHRRC) die 20 umsatzstärksten deutschen Unternehmen in ihrem Umgang mit Menschenrechten analysiert, informiert die ZHAW in einer Mitteilung. Die Bewertung der Unternehmen orientierte sich dabei an dem auf zwölf Kernindikatoren ausgelegten Corporate Human Rights Benchmark (CHRB). Hier werden die Unternehmen hinsichtlich der in den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (UNGP) aufgestellten Anforderungen gemessen.

Den Erhebungen der Forscher zufolge fällt jedes der untersuchten Unternehmen in mindestens einer der zwölf Kernanforderungen durch. Acht von zehn Konzernen, darunter Deutsche Post, DHL, Deutsche Bahn und Deutsche Bank, erreichten weniger als 40 Prozent der maximal erreichbaren 24 Punkte. Siemens brachte es als bestbewerteter Konzern nur auf 14,5 Punkte. 

„90 Prozent der Unternehmen konnten nicht aufzeigen, dass sie menschenrechtliche Risiken adäquat im Sinne der UN-Leitprinzipien handhaben“, wird ZHAW-Forscher und Hauptautor der Studie, Herbert Winistörfer, in der Mitteilung zitiert. „Statt potenzielle Schäden für die Betroffenen stehen bei der Risikobewertung die potenziellen Schäden fürs Unternehmen wie Reputationsverluste im Fokus.“

Sollten die deutschen Unternehmen einen effektiven Menschenrechtsschutz nicht freiwillig einführen, plant die Bundesregierung die Sorgfaltspflicht gesetzlich zu regeln. „Diskutiert werden sowohl eine Pflicht zu mehr Transparenz, verpflichtende Vorgaben für eine menschenrechtliche Sorgfaltsprüfung mit behördlicher Kontrolle oder eine erweiterte Haftung der Unternehmen analog zur Schweizer Konzernverantwortungsinitiative“, erläutert Winistörfer. hs

Aktuelles im Firmenwiki