Coop-Genossenschafter fordern Mitsprache

05. Oktober 2020 12:57

Basel - Der Verein detailwandel.ch fordert demokratische Mitsprache für Genossenschafter in der Coop Genossenschaft. Doch der Verwaltungsrat hat wenige Wochen vor den nächsten internen Wahlen die Regeln geändert. Detailwandel spricht in einem offenen Brief von einer „Scheinwahl“.

Der Detailhändler Coop ist eine Genossenschaft. Damit gehört er seinen Genossenschaftern. Doch diese haben nur wenig Mitsprache bei der Besetzung der leitenden Gremien oder gar bei der Bestimmung der Geschäftspolitik. Coop wird durch einen zehnköpfigen Verwaltungsrat geführt, der die siebenköpfige Geschäftsleitung beaufsichtigt. Der Verwaltungsrat wiederum wird formell von der Delegiertenversammlung gewählt. Die Mitglieder dieser Versammlung stammen aus den Regionalräten der sechs Regionen. Die Regionalräte werden alle vier Jahre gewählt. Allerdings schlägt der Regionalrat jeweils nur so viele Kandidaten zur Wahl vor, wie er Sitze hat. Damit ernennt er sich faktisch selber.

Der Verein detailwandel.ch um den Berner Raffael Wüthrich wollte das ändern. Er lancierte im Herbst 2019 eine Kampagne, um eine tatsächliche Auswahl bei den für Herbst 2020 anstehenden Coop-Wahlen zu ermöglichen. Insgesamt 532 Genossenschafterinnen und Genossenschafter sollten sich in fünf der sechs Regionen aufstellen lassen, rund 55‘000 Unterschriften wären innerhalb von 30 Tagen zu sammeln gewesen. 

Detailwandel.ch wollte mit der Wahl neuer Regionalräte Coop dazu bringen, mitarbeiterfreundlicher und umweltfreundlicher zu werden. Angesichts der Marktmacht des Einzelhändlers wäre das eine effiziente Abkürzung, „um eine generationengerechte, faire und demokratische Wirtschaft zu erreichen“, heisst es in einem Konzeptpapier.

Der Coop-Verwaltungsrat ist diesem Vorstoss für demokratische Wahlen zuvorgekommen. Wie Detailwandel.ch in einem offenen Brief schreibt, hat der Verwaltungsrat am 23. September, also wenige Wochen vor den Wahlen, das Wahlreglement geändert. Neu müssen innerhalb von 15 Tagen 150‘000 Unterschriften für eine alternative Kandidatenliste vorgelegt werden. „Waren vorher offene, demokratische Wahlen sehr schwierig, sind sie nun schlichtweg unmöglich“, heisst es in dem offenen Brief.

Detailhandel.ch fordert den Verwaltungsrat auf, die Änderungen des Wahlreglements zurückzunehmen. Zudem sollten die Sitze in den Regionalräten künftig je zu einem Drittel den Mitarbeitenden, den Lieferantinnen und Lieferanten sowie den Konsumentinnen und Konsumenten zuzugestehen.

Der Verwaltungsrat wird vom langjährigen CEO Hansueli Loosli präsidiert, der zugleich auch den Verwaltungsrat von Swisscom präsidiert. Ihm dürfte ab 2021 alt Bundesrätin Doris Leuthard nachfolgen, die dem Coop-Verwaltungsrat seit Frühjahr 2019 angehört. Der Geschäftsleitung unter Joos Sutter gehören ausschliesslich Männer an.

Der am Montag lancierte offene Brief wurde bis 14.30 Uhr von rund 4500 Personen unterzeichnet. stk

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