Bund bereitet sich auf Mangellage bei Gas vor

30. Juni 2022 12:59

Bern/Zürich - Bund und Gasbranche wollen sich über die Schaffung von Gasspeichern und Optionen für zusätzliche Lieferungen gegen eine mögliche Mangellage wappnen. Endverbraucher sollen durch Sparen beitragen. Wirtschaftsverbände warnen vor einer Rationierung im Ernstfall.

Bundesrat und Gasbranche bereiten sich auf eine mögliche Gasmangellage vor. Die vom Bundesrat eingesetzte Task Force Winterversorgung 2022/2023 sieht die Einrichtung physischer Gasreserven im Umfang von rund 6 Terawattstunden in Gasspeichern im Ausland vor, informiert der Bundesrat in einer Mitteilung. Zudem sollen Optionen für nicht aus Russland stammende Gaslieferungen in Höhe von weiteren 6 Terawattstunden beschafft werden. Der jährliche Gasverbrauch der Schweiz wird in der Mitteilung auf rund 35 Terawattstunden beziffert. 

Einer drohenden Mangellage wollen Bund und Gasbranche mit Sparappellen an alle Endgasverbrauchenden begegnen. Zweistoffkunden würden hier auf Heizöl umgeschaltet, erläutert der Bundesrat. 

Sollten Appelle und Umschaltungen nicht ausreichen, werde der Erdgasverbrauch „für alle nicht geschützten Kunden ohne Priorisierung“ kontingentiert, informiert der Bundesrat. Als geschützte Verbraucher gelten Haushalte und grundlegende soziale Dienste ausserhalb von Bildung und öffentlicher Veraltung. Zudem kann der Verbrauch von Gas für bestimmte Anwendungen verboten werden. 

Nach Ansicht von Swissmem, scienceindustries und economiesuisse wäre eine Gasmangellage für die Mehrheit der Schweizer Unternehmen existenzbedrohend. Die vom Bund geplante Sparkampagne müsse bereits jetzt gestartet werden, damit die notwendige Sensibilisierung der Bevölkerung rechtzeitig erreicht werde, um tatsächlich namhafte Einsparungen zu erzielen, fordern die Wirtschaftsverbände in einer gemeinsamen Mitteilung. Alle Massnahmen sollten zudem das vordringliche Ziel haben, „Betriebsschliessungen und allfällige Arbeitsplatzverluste zu verhindern.“ hs 

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