Behörden hinken bei Digitalisierung hinterher

07. August 2020 11:08

Zürich - Die Corona-Krise deckt auf, dass bei den Schweizer Behörden eine digitale Infrastruktur kaum vorhanden ist und das vorhandene Technologiepotenzial zu wenig ausgeschöpft wird. Das ist das Fazit einer Umfrage von Deloitte.

Die Corona-Krise hat auch in der öffentlichen Verwaltung Schwächen und Versäumnisse der vergangenen Jahre klarer ans Licht gebracht, heisst es in einer Medienmitteilung von Deloitte. Eine Umfrage des Wirtschaftsberatungsunternehmens habe ans Licht gebracht, dass „die Schweizer Behörden bei der Digitalisierung noch in den Kinderschuhen stecken". Grund dafür sei eine „kaum vorhandene digitale Infrastruktur und zu geringe Ausschöpfung des bestehenden Technologiepotenzials“.

So liege der öffentliche Dienst im Vergleich mit anderen Branchen der bürobasierten Privatwirtschaft etwa beim Home-Office weit zurück. Während des Lockdowns war in der Bundesverwaltung die Arbeit von zuhause für 33 Prozent der Mitarbeitenden möglich, bei Kantonen 27 Prozent und bei den Gemeinden nur 15 Prozent. In der Informations- und Kommunikationstechnologie dagegen lag diese Quote bei 65 Prozent, im Finanz- und Versicherungswesen bei 50 Prozent. Fast drei Viertel (71 Prozent) der behördlichen Mitarbeitenden „kämpften mit Frustration, weil sie auf technische Aufrüstung mehrere Tage oder gar Wochen warten mussten oder diese gar nie erhielten“.

Eine Mehrheit der Schweizer Verwaltungsangestellten (56 Prozent) spricht sich für mehr Digitalisierung in der Verwaltung aus. Ein relativ hoher Anteil von 39 Prozent sieht jedoch keinen zusätzlichen Bedarf für digitale Abläufe oder Dienste. Gleichzeitig hat ein knappes Drittel (31 Prozent) der Bevölkerung aufgrund der Corona-Krise seine Meinung gegenüber digitalen Diensten positiv geändert.

Behörden sollten das Momentum nutzen und jetzt nachhaltig in die Digitalisierung investieren, empfiehlt Deloitte. Immerhin habe die Schweiz das Potenzial, bei der Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung international ein Spitzenreiter zu sein.

Kurzfristig sei die Konzentration auf Prozesse und deren Vereinfachung wichtig, meint Rolf Brügger, Director for Government & Public Services bei Deloitte Schweiz. „Dafür bedarf es keiner langjährigen Entwicklung völlig neuer IT-Systeme: neue elektronische Formulare ohne Papierausdruck und Postversand und wenige smarte neue Software-Tools könnten die Anzahl der vorhandenen Medienbrüche im Prozess erheblich reduzieren. Dafür muss man keine neue IT-Landschaft bauen, keine Hardware kaufen und keine Gesetze ändern.“ mm

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