Basler Forschende züchten vollständige Retina

21. September 2020 12:24

Basel - Forschenden verschiedener Basler Institute ist es gemeinsam gelungen, exakte Nachbildungen menschlicher Netzhaut zu züchten. Das beschleunigt die Entwicklung individueller Therapien für Augenerkrankungen.

Forschenden der Universität Basel, des Instituts für Molekulare und Klinische Ophtalmologie Basel (IOB) und der Novartis Institutes for BioMedical Research ist laut einer Medienmitteilung ein wichtiger Schritt hin zur beschleunigten Entwicklung individueller Therapien für Augenerkrankungen geglückt. Nach sechs Jahren Forschungsarbeit können sie nun menschliche Retina züchten, die dieselben Eigenschaften aufweist wie natürliche Netzhaut, einschliesslich der Krankheitsparameter individueller Patienten. Ihre Studie wurde jetzt im Fachblatt „Cell“ veröffentlicht. „Unsere Netzhaut-Organoide sind so besonders, weil sie wie die menschliche Netzhaut eine Schichtstruktur haben und auf Licht in gleicher Weise reagieren“, wird Cameron Cowan in der Mitteilung zitiert. Er ist einer der Erstautoren dieser Studie und Post-Doc in der Human Retinal Ciruit Gruppe am IOB.

Der detaillierte Vergleich der gezüchteten Netzhaut-Organoide mit Netzhaut von Multi-Organspendern bestätigte die starken Ähnlichkeiten. „Wir waren die Ersten, die menschliche Netzhaut von Verstorbenen funktionsfähig und lichtempfindlich halten konnten.“ Das habe die Vergleiche überhaupt erst möglich gemacht. „Wir konnten zeigen, dass unsere kultivierten Organoide nach 38 Wochen – das entspricht der Dauer einer durchschnittlichen Schwangerschaft beim Menschen – viele derselben Zelltypen aufweisen wie die Netzhaut eines erwachsenen Menschen.“

Der grosse Wert der Netzhaut-Organoide gründe gemäss der Mitteilung zudem auf dem Beweis der Forschenden, dass gleiche Defekte in jeweils denselben Zelltypen zu denselben Netzhauterkrankungen in den Organoiden und in menschlicher Netzhaut führen. „Wir können Netzhaut-Organoide aus Hautbiopsien oder Blut von individuellen Patienten züchten“, so Magdalena Renner, ebenfalls Erstautorin der Publikation und Leiterin der Human Organoid Platform am IOB. „Damit können wir im Labor Behandlungen entwickeln, die auf diese Patienten massgeschneidert sind.“ mm

Aktuelles im Firmenwiki