Strommarktliberalisierung geht auch grün

Walter Steinmann hat keine Angst davor, dass bei einer Strommarktliberalisierung nur noch „günstiger Dreckstrom“ nachgefragt wird. „Das ist Gejammer“, sagt er dazu in einem Interview mit der Branchenplattform energate. Dabei vergleicht er die Energiebranche mit dem Detailhandel. Migros und Coop würden ihre Waren zwar teurer verkaufen als deutsche Discounter. Sie seien aber dennoch erfolgreich. Klar, spiele auch der Preis ein wichtige Rolle, aber auch andere Qualitäten seien mitentscheidend, „denn der Schweizer ist im Herzen ein bisschen grün“, so Steinmann.

„Das Argument, dass mit der Strommarktliberalisierung die Energiewende torpediert wird, ist folglich Panikmache. Sie kommt von Personen, die sich einfach nicht mit der neuen Welt auseinandersetzen wollen“ sagt der ehemalige Direktor des Bundesamts für Energie (BFE).

Für das Jahr 2018 wünscht sich Steinmann, dass das CO2-Gesetz gut vorangebracht wird und tatsächlich einen Beitrag zur Reduktion des CO2-Ausstosses leisten kann. Ausserdem brauche es „intelligente Lösungen“ für die Wasserkraft. „Hier muss uns aber bewusst sein, dass die Zukunft der Wasserkraft nicht gleichbedeutend ist mit der Zukunft von Alpiq und Axpo“, betont er.

Derzeit sieht es danach aus, dass es einen liberalisierten Strommarkt, gekoppelt mit einer strategischen Reserve, geben wird. Steinmann geht davon aus, dass dies auch der Wasserkraft genügen wird. Denn die Preise auf dem Markt werden sich durch das Abschalten der deutschen Wasserkraftwerke und die stärkere CO2-Einpreisung erholen. Wichtig sei es jedoch, ein gutes Regime bei den Wasserzinsen zu finden. ssp